
280.000 Meilen standen auf unserem Miles & More Konto, und ich hatte bis dahin nicht einen einzigen davon in einen echten Flug verwandelt. Zwei Jahre hatte ich als Travel-Hacking-Einsteigerin nur gesammelt, ohne Ziel, mit dem vagen Gefühl, dass sich das Meilen sammeln als Familie schon irgendwann auszahlen würde. Der Unterschied zwischen diesem planlosen Horten und unserem ersten echten Premium-Economy-Upgrade lag nicht an der Zeit, die vergangen war, sondern an dem Moment, in dem ich aufgehört habe, nur zu sammeln, und angefangen habe, gezielt einzulösen. Mein Meilen-Tagebuch – ein schlichtes Notizbuch, in das ich seither jede Bordkarte klebe – hat genau in diesen Wochen angefangen.
Hinweis vorab: In diesem Beitrag stecken Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. Ich erwähne hier nur das, was bei uns als vierköpfiger Familie tatsächlich Teil des Wegs zu diesem einen Flug war.
Der Sign-Up-Bonus, den ich 2022 falsch verstanden habe
Alles begann im Spätsommer, als eine Kollegin mir in der Kaffeepause den Link zu einer Lufthansa-Kreditkarte zeigte. Dreißigtausend Meilen einfach so, sagte sie, nur für die erste Nutzung. Als UX-Designerin bin ich eigentlich darauf trainiert, jeden Schritt eines Prozesses zu hinterfragen, aber hier klickte ich trotzdem blind durch, weil die Zahl so groß aussah. In meinem Kopf saßen wir schon alle vier in einer besseren Kabine nach New York.
Die Ernüchterung kam schnell. Dreißigtausend Meilen reichten nicht einmal für einen einzigen Hin- und Rückflug, wie ich naiv gedacht hatte. Ich hatte die Karte, aber keine Ahnung von Verfügbarkeit, Buchungsklassen oder dem Miles and More Meilenkonto für Familien, in dem später auch die Punkte von Mann und Kindern zusammenlaufen sollten.
Zwei Jahre lang dümpelten die Meilen einfach vor sich hin. Als Selbstständige mit schwankendem Einkommen fühlten sich hohe fixe Kartengebühren für mich sowieso schnell wie Ballast an, also sammelte ich nur nebenbei – mal ein paar Punkte beim Wocheneinkauf, mal Meilen für einen Mietwagen, der am Schalter in Italien plötzlich nicht im System war und uns drei Stunden kostete. Einen Prämienflug tatsächlich zu buchen ist ein anderes Handwerk als nur Meilen zu horten, das wurde bei der Sache mit Kalifornien schnell klar.
Vier Plätze in den Schulferien finden
Ein Winterabend Anfang 2024, wieder vor dem Laptop: Kalifornien im Sommer, vier Personen, Schulferien. Normale Tickets kosteten in diesem Zeitfenster mehr, als wir für den ganzen Urlaub budgetiert hatten. Mittlerweile lagen durch Pooling und ein paar clevere Aktionen 280.000 Meilen auf dem Konto. Dass ausgerechnet in den Schulferien die Verfügbarkeit für vier zusammenhängende Plätze so eng ist, hatte ich vorher komplett unterschätzt.
Winold Krauss, ein Bekannter aus einem deutschen Vielflieger-Forum, hatte mir Wochen vorher geschrieben, dass sich die Buchungsfenster für Sommerferien-Prämienflüge meist zu einem ziemlich festen Zeitpunkt öffnen, und er kennt solche Öffnungszeiten fast auf die Stunde genau. Also saß ich mehrmals morgens, bevor die Kinder in die Schule mussten, kurz vor dem Bildschirm und prüfte die Verfügbarkeit. Fünf Wochen, nachdem ich damit angefangen hatte, waren die vier Plätze plötzlich da: Premium Economy auf der LH454 von Frankfurt nach San Francisco, alle nebeneinander.
Der Bildschirm zeigte auf einmal vier grün hinterlegte Sitzplätze, und mein Mann, der gerade über meine Schulter schaute, fragte nur: Ist das jetzt wirklich gerade passiert? Keine Business Class, kein Champagner am Platz, aber eine eigene kleine Kabine mit spürbar mehr Beinfreiheit als hinten in der Holzklasse.
Kurz hatte ich überlegt, die Meilen stattdessen im Worldshop gegen etwas Handfestes einzutauschen, aber im Vergleich zu einem echten Familienflug kam mir das wie Verschwendung vor. Auch eine Verbindung über einen Star-Alliance-Partner stand kurz im Raum, doch der Direktflug mit LH454 passte besser zu unserem Alltag mit zwei Schulkindern. Von einem Companion Award hatte ich zwar gehört, für vier Personen brachte er uns aber ohnehin nichts.
1.500 Euro Gebühren hätten fast alles gekippt
Bei meinem allerersten Buchungsversuch hatte ich schlicht vergessen, Steuern und Gebühren mit einzukalkulieren. Als die Summe im Buchungsfenster auftauchte, wollte ich die ganze Reise am liebsten sofort wieder absagen, denn was für ein „Gratis-Flug" ist das noch, wenn am Ende 1.500 Euro Gebühren für vier Tickets draufkommen? Mein Mann, der Ingenieur, rechnete kurz nach und sagte nur trocken, für vier Plätze im Sommerferien-Zeitfenster sei das immer noch ein guter Deal. Wie wir diese Miles and More Steuern und Gebühren von 1500 Euro am Schluss eingeplant haben, war für mich eine eigene kleine Lektion in Haushaltsplanung.
Es fühlte sich fast an wie das Sparschwein für das große Geburtstagsgeschenk unserer Tochter: Man wirft über Monate hinweg immer wieder etwas hinein, ohne genau zu wissen, ob am Schluss wirklich genug für das eine große Ding zusammenkommt.
Premium-Economy-Upgrade auf Sitz 32H, warten auf einen Lounge-Tisch
Der Tag der Reise war aufregend und anstrengend zugleich. Losgeflogen sind wir in München, der eigentliche Meilen-Flug begann aber erst in Frankfurt. Über meine Kreditkarte hatten wir Zugang zur Lufthansa Lounge B1 mit PriorityPass, nur stand ich dort erst zehn Minuten, weil kein Tisch frei war. Als endlich einer frei wurde, saß ich mit einem Espresso in der kleinen Lufthansa-Tasse da und beobachtete die Fahrzeuge auf dem Vorfeld.
An Bord der A340-600 fanden wir unsere Plätze, Sitz 32H für mich, die Kinder direkt daneben. Das Tablett in der Premium Economy kam mit einer eigenen Stoffserviette, nach Jahren in der Holzklasse fühlte sich das fast zu großzügig an. Unser Sohn steckte sein Reisekissen zurecht und schlief noch vor dem ersten Film ein, die Beine zum ersten Mal auf einem Langstreckenflug wirklich ausgestreckt. Warum sich Premium Economy für Familien besonders lohnt, habe ich mir seitdem dick im Notizbuch unterstrichen.
Ich schickte meiner alten Studienfreundin Reinhild, die längst in Hamburg lebt, noch aus der Lounge ein Bild von unseren vier Bordkarten nebeneinander. Sie sammelt solche Fotos seit Jahren in einem eigenen Album auf ihrem Handy, länger schon, als ich selbst in mein Notizbuch schreibe. Zurück kam nur ein Herz und die Frage, wann wir wieder telefonieren, wenn die Kinder bei uns beiden endlich schlafen.
Ob man zu spät angefangen hat
Lange dachte ich, ich hätte den Anschluss verpasst und dass Travel Hacking nur etwas für Leute ist, die beruflich ständig im Flieger sitzen oder schon seit Ewigkeiten jede Aktion mitnehmen. Das stimmt so nicht. Man muss nicht früh anfangen, man muss aufhören, blind zu sammeln, und anfangen, die Einlösung tatsächlich zu planen.
Was mir am Anfang gefehlt hat, war ein System, das flexibel genug ist, um nicht jeden Monat gleich viel einzahlen zu müssen, aber fokussiert genug, um wirklich auf eine Buchung hinzuarbeiten, und das zu unserem Familienalltag mit unregelmäßigem Freelancer-Einkommen passt. Wer nicht wie ich zwei Jahre ziellos Meilen anhäufen will, findet im Elite travelhacking BasiX Kurs genau diesen Fokus auf die tatsächliche Award-Buchung statt nur aufs Sammeln.
Heute lege ich jede neue Bordkarte weiterhin vorsichtig zwischen zwei Seiten meines Notizbuchs, und das leise Rascheln des Papiers beim Zuklappen ist inzwischen fast so vertraut wie das Anschnallzeichen selbst. San Francisco war nur der Anfang, die nächste Reise ist schon in Planung. Die Lektion, die bleibt, ist einfach: Nicht das frühe Anfangen entscheidet, sondern ob du die Gebühren vor der Buchung durchrechnest, die Verfügbarkeit in den Schulferien realistisch einschätzt und die Buchungsfenster im Blick behältst. Dann wird aus planlosem Sammeln irgendwann eine echte Kabine über dem Atlantik.
Vielleicht sehen wir uns ja mal in der Lounge. Dann bring ich mein Notizbuch mit.