
Der Cursor blinkt eine Sekunde zu lange über dem Bestätigen-Button, mein Finger drückt trotzdem, und im nächsten Moment sind 280.000 Meilen aus unserem Miles & More Konto verschwunden – vier Plätze in der Premium Economy von Frankfurt nach San Francisco, zwei Jahre Kreditkarten-Umsätze und Wocheneinkäufe komprimiert auf einen einzigen Klick. Seit diesem Nachmittag stelle ich mir bei jedem neuen Meilenstand dieselbe Frage, die mir mittlerweile auch Leserinnen meines Meilen-Tagebuchs schreiben: Worldshop oder Prämienflug – wo lohnt sich unser Familien-Reise-Hacking mit Meilen wirklich?
Zwei Antworten kursieren dazu ständig in Foren und Blogs, und beide sind mir am Ende zu einfach: „Gib die Punkte für Erlebnisse aus" oder „Sachprämien sind reine Geldverschwendung." Meine Antwort ist unordentlicher als das, und genau deshalb gehe ich hier die Fragen durch, die mir zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden, eine nach der anderen.
Miles & More Worldshop: Was die Meilen dort wirklich wert sind
Im Katalog liegt aktuell wieder eine cremefarbene Küchenmaschine, eine KitchenAid in einem Rosé-Ton, die mich jeden Herbst neu anlächelt. Rechne ich unsere 280.000 Meilen aus dem SFO-Flug in Worldshop-Artikel um, käme dabei ungefähr eine halbe Kücheneinrichtung heraus – Töpfe, Maschine, vielleicht noch ein Set Handtücher. Klingt nach viel, bis man es neben vier Plätzen in der Premium Economy nach Kalifornien legt. Für Sachprämien bekommt man im Worldshop spürbar weniger Gegenwert pro Meile als für einen gut gewählten Flug, das merkt man beim Durchklicken schnell, auch ohne dass ich hier mit Centbeträgen um mich werfe, die sowieso von Aktion zu Aktion schwanken.

Am Marktstand auf dem Viktualienmarkt kaufe ich manchmal spontan ein Glas von diesem viel zu teuren Honig, einfach weil er gerade vor mir steht und gut riecht – und genau so fühlt sich der Worldshop-Katalog auch an. Ein Impulskauf, nur eben verpackt in Flugmeilen statt Bargeld. Der Unterschied zum Honigglas: Die Meilen sind nicht in zwei Minuten nachgekauft, sie brauchen Monate, manchmal Jahre, um sich wieder aufzufüllen.
Wann ist der Worldshop trotzdem die bessere Wahl?
Manchmal schlägt die Praxis jede Rechnung. Wenn Meilen in den nächsten Monaten ohnehin zu verfallen drohen, ist ein Artikel aus dem Katalog besser als gar keine Verwendung – genau dafür existiert der Shop. Oder wenn ein akuter Bedarf da ist, so wie unser alter Koffer, der nach der letzten großen Reise einfach nicht mehr zugehen wollte. Auch ein Companion Award, bei dem eine zweite Person günstiger mitfliegt, kann in solchen Momenten die praktischere Lösung sein als monatelang weiterzusparen.
Was bei uns dagegen nie funktioniert hat: kurzentschlossen am Flughafen-Schalter ein Last-Minute-Upgrade mit Meilen kaufen zu wollen. Jedes einzige Mal war es ausverkauft, und wir standen mit den Kindern und dem Gepäck einfach daneben. Seitdem entscheide ich lieber Wochen vorher, ob eine Reise zum Worldshop-Moment oder zum Sparziel wird, statt am Gate zu improvisieren.

Wie weiß ich, ob wir genug Meilen für einen echten Familienflug zusammenbekommen?
Bevor ich überhaupt anfange zu rechnen, prüfe ich ein paar Dinge, die mit der reinen Meilenzahl wenig zu tun haben. Sind wir an Schulferien-Termine gebunden, wird die Verfügbarkeit für vier Sitze eng, und ich muss weit im Voraus buchen. Fliegt Lufthansa die Strecke nicht selbst, schaue ich bei den Partner-Airlines der Star Alliance nach, weil dort manchmal noch Plätze frei sind, wenn der Lufthansa-Flug längst ausgebucht ist.
Für unseren SFO-Flug damals kamen zusätzlich noch Steuern und Gebühren dazu, ungefähr 1500 Euro obendrauf – ein Posten, den man in der reinen Meilenrechnung leicht unterschlägt.
Wer zusätzlich noch nach Schnäppchen sucht, findet die besten Gelegenheiten selten im Worldshop selbst, sondern in gezielten Aktionen auf Flugstrecken. Ich habe mittlerweile gelernt, warum Lufthansa Meilenschnäppchen für Familien einen genaueren Blick lohnen als jeder Katalogartikel – dort verschiebt sich der Gegenwert pro Meile spürbar zu unseren Gunsten.
Angefangen hat unser gesamtes Meilenkonto übrigens mit einem einzigen Kreditkarten-Bonus bei der Anmeldung, lange bevor an San Francisco überhaupt zu denken war. Heute zählt bei uns jedes Konto der Familie mit, und deshalb erkläre ich an anderer Stelle, warum ich ein Miles and More Konto für Kinder eröffnet habe – ohne das Pooling wären die 280.000 Meilen für vier Plätze deutlich langsamer zusammengekommen.
Bevor ich im Worldshop bestelle, gehe ich drei Fragen durch

Erstens: Haben wir überhaupt schon ein festes Flugziel mit ungefährem Zeitraum, für das sich das Weitersparen lohnt, bei uns aktuell Richtung Japan? Zweitens: Deckt der Worldshop-Artikel eine echte Lücke, so wie ein kaputter Koffer, oder ist es nur ein spontaner Moment vor dem Bildschirm? Drittens: Wie groß ist der Unterschied im Gegenwert, wenn ich die gleichen Meilen stattdessen für Flüge zurücklegen würde? Nur wenn die Antworten klar für den Katalog sprechen, sage ich am Ende Ja.
Meine Nachbarin trainiert grad für den München-Marathon, und sie kauft sich auch nicht schon nach der ersten guten Trainingswoche die teuren neuen Laufschuhe, weil eine App ihr einen vorzeitigen Erfolg verspricht – sie wartet, bis das Training das tatsächlich rechtfertigt. So ungefähr fühlt sich für mich das Sparen für Japan an, verglichen mit dem schnellen Griff zur Küchenmaschine. Wenn nach einer Landung irgendwann die Meilen-Gutschrift auf dem Handy ankommt und es kurz in der Tasche vibriert, ist das für mich immer noch der schönste Moment der ganzen Rechnung – mehr als jeder Artikel, den ich mir stattdessen hätte kaufen können.