
Die neue Kreditkarte liegt schwerer in der Hand als jede EC-Karte, die ich je besessen habe – aus Metall, kühl, mit diesem satten Klicken, wenn sie auf die Küchenplatte fällt. Es ist die Lufthansa Miles & More Kreditkarte, mit der unsere Familie seitdem Meilen sammelt, und die uns näher an die nächste richtige Familienreise bringt, als ich am Anfang für möglich gehalten hätte.
Für Familien, die mit dieser Karte starten wollen, gibt es zwei ziemlich unterschiedliche Wege: den Bonus einsacken und abwarten, was daraus wird – oder von der ersten Kartennutzung an einen Plan mitlaufen lassen. Ich habe beide ausprobiert, nacheinander, und nur einer davon hat am Ende zu vier Bordkarten nach Kalifornien geführt.
Der Sign-up-Bonus der Kreditkarte – und was danach passiert
Der Sign-up-Bonus ist das Willkommensgeschenk, das jede neue Miles & More Kreditkarte nach der ersten Nutzung auslöst – bei mir waren es 2022 rund 30.000 Meilen, einfach dafür, dass ich die Karte einmal eingesetzt habe. Das war der Einstieg in dieses ganze Bordkarten-Tagebuch, auch wenn mir das damals nicht klar war.
Ein Bonus in dieser Größenordnung klingt nach viel, und für sich allein ist er das auch. Er ist aber kein Freiflug. Er ist ein Startguthaben, das erst durch das wird, was danach passiert, durch die Frage, ob man weitersammelt oder das Konto einfach liegen lässt wie eine alte Kundenkarte in der Schublade.

Ohne Plan sammeln oder von Anfang an strukturieren
Zwei Jahre lang bin ich Weg eins gegangen, ohne ihn so zu nennen. Die Karte war da, der Bonus war da, und ich habe einfach weitergelebt wie vorher – Wocheneinkauf mal mit Karte, mal mit EC-Karte, je nachdem, welche gerade oben im Portemonnaie lag. Das Konto wuchs, aber langsam, ohne Richtung, wie ein Sparschwein, in das man nur ab und zu eine Münze wirft.
Wir haben zwar immer brav unsere Miles & More Nummer angegeben, aber am Ende reichte es kaum für mehr als einen Toaster aus dem WorldShop, wenn man nicht aufpasste.
Weg zwei sieht anders aus. Im Februar habe ich Ernst gemacht: Partnerkarte für meinen Mann bestellt, den Kartenumsatz bewusst über die Miles & More Karte laufen lassen statt über die EC-Karte, und beide Konten zusammengelegt. Bevor man alle Meilen auf einem Konto zusammenführt, lohnt es sich zu verstehen, wie das Miles and More Meilenkonto für Familien eigentlich funktioniert – bei uns hat allein die Umstellung gereicht, dass aus vier kleinen Einzelkonten auf einmal ein Konto wurde, das sich wirklich lohnt.
Samstags am Viktualienmarkt bezahle ich seitdem mit der Karte, wo früher nur Bargeld aus der Tasche kam. Tankfüllungen, Versicherungen, der Wocheneinkauf, alles läuft jetzt über dieselbe Karte, und mein Mann, der als Maschinenbauingenieur anfangs wegen der Fixgebühr skeptisch war, rechnet inzwischen selbst mit, was jede größere Anschaffung an Meilen bringt.
Die Zahlen dazu stehen bei mir im Notizbuch: 30.000 Meilen Startbonus, dazu im Schnitt 2.500 Euro Kartenumsatz im Monat für Lebensmittel, Benzin, Versicherungen und Abos; macht über die Zeit gerechnet 7.500 Euro Gesamtumsatz und bei der üblichen privaten Rate von einer Meile pro zwei Euro noch einmal 3.750 Meilen obendrauf. Zusammen mit dem Pooling stand das gemeinsame Konto schon bei 33.750 Meilen, ohne dass wir auch nur einen Fuß in ein Flugzeug gesetzt hätten.
Ein Tipp für den Wocheneinkauf nebenbei: Wer noch mehr herausholen will, kann prüfen, wie sich Payback Punkte in Meilen umwandeln lassen – bei uns kam das erst später dazu, als die Kreditkarte schon lief.
Das Last-Minute-Upgrade am Schalter klappt nicht
Am Anfang dachte ich, ich könnte mir die ganze Strategie sparen und einfach am Flughafen-Schalter ein Last-Minute-Upgrade kaufen, wenn wir mal weiter vorne sitzen wollten. Es hieß dort jedes Mal dasselbe: ausverkauft, keine Kontingente mehr frei, versuchen Sie es online.
Das war die Lektion, die mich am Ende doch zum Sammeln gebracht hat. Wer nicht vorbaut, sitzt am Schalter und hört immer dieselbe Antwort, egal wie freundlich man fragt oder wie oft man schon geflogen ist.
Die Lounge, die nicht hielt, was sie versprach
Der PriorityPass, der mit der Karte kommt, klingt nach mehr, als er in der Praxis manchmal ist. In der Lufthansa Lounge B1 in Frankfurt mussten wir neulich fast wieder umdrehen, so voll war es dort. Die Kinder haben sich schließlich auf ihre Koffer in eine Ecke gesetzt und Brezeln gegessen, während ich mich an der Kaffeemaschine vorbeikämpfte.
Als wir durch die Sicherheitskontrolle kamen, schlug uns die klimatisierte Luft der Lounge entgegen, dazu ein schwacher Kaffeegeruch, der eher an ein Großraumbüro erinnerte als an Urlaub. Von Ruhe keine Spur, eher wie am Hauptbahnhof zur Stoßzeit.
Trotzdem denke ich in solchen Momenten oft an den ersten echten Meilenflug nach San Francisco, bei dem sich die ganze Anstrengung zum ersten Mal wirklich ausgezahlt hat – dann ist jede überfüllte Lounge sofort vergessen.
Den richtigen Weg für eure Familie finden
Wenn ihr nur einmal im Jahr fliegt und keine Lust habt, den Alltag über eine einzige Karte laufen zu lassen, bleibt der Sign-up-Bonus ein netter Nebeneffekt, mehr aber auch nicht. Für uns hätte das irgendwann für einen Koffer oder einen Kopfhörer aus dem WorldShop gereicht, nicht mehr.
Seid ihr aber bereit, die Partnerkarte zu bestellen, das Pooling einzurichten und Wocheneinkauf, Benzin und Versicherungen bewusst über die Karte laufen zu lassen, wird aus demselben Bonus etwas anderes. Bei uns wurden daraus 280.000 Meilen für vier Plätze im Premium Economy nach San Francisco, Sitz 32H auf der A340-600, meine Tochter schlief mit ihrem Reisekissen ein, während ich den ersten wirklich guten Flugzeug-Kaffee seit Jahren getrunken habe.
Die Bordkarte von diesem Flug klebt inzwischen in meinem Notizbuch, und unter dem Feld für den Preis steht nur eine Zahl in Meilen, keine einzige Euro-Ziffer.
Eine Freundin von mir trainiert gerade für den München-Marathon und trägt jeden Trainingskilometer brav in eine App ein. Ich mache mit Meilen etwas sehr Ähnliches, nur dass mein Notizbuch statt Laufschuhen Bordkarten sammelt, und wie beim Marathon zählt am Ende nicht der eine große Tag, sondern die vielen kleinen Entscheidungen davor.