Bordkarten Tagebuch

Flugverspätung bei Prämienflügen: Entschädigung und Rechte für Familien

Flugverspätung bei einem Prämienflug: Anzeigetafel springt auf annulliert, während eine Familie mit Kindern auf die Fluggastrechte-Entschädigung wartet

Auf der Abflugtafel am Gate springt die Meldung von Verspätet auf Annulliert, während mein Sohn mit seinen Spielzeugautos in aller Ruhe die Fugen im Boden entlangfährt, als würde ihn das Wort überhaupt nichts angehen.

Kurz vorweg, weil es fair ist: Dieser Beitrag beschreibt, was wir als Familie wirklich erlebt haben, und er enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision – der Preis bleibt für dich gleich. Verlinkt wird hier nur, was uns beim Verstehen unseres eigenen Meilen-Durcheinanders wirklich weitergeholfen hat.

Die Antwort auf die Frage, die mir seitdem öfter gestellt wird, ist eindeutig: Ein Prämienflug, für den du mit Meilen statt mit Bargeld bezahlt hast, zählt bei einer Flugverspätung genauso viel wie jedes andere Ticket. Für unseren Flug LH 454 im November, Sitz 32H in der Premium Economy, hat sich genau das bestätigt.

Arndt, der Kollege meines Mannes aus der Firma, hat mich das beim Sommerfest zum ersten Mal gefragt, nachdem er von unserem Flug gehört hatte: Bekommt man für ein Ticket überhaupt Geld zurück, wenn man es fast geschenkt bekommen hat? Er will bei solchen Sachen immer zuerst die Zahlen sehen, und seit er Anfang 2025 selbst eine eigene Miles & More Kreditkarte beantragt hat, fragt er alle paar Wochen nach, ob sich das Ganze wirklich lohnt.

Ein Prämienticket ist ein vollwertiger Flug

Bevor ich selbst eine Antwort parat hatte, hatte ich einiges gelesen, unter anderem, wie man Meilen im Alltag sammelt, und dabei blieb ein Detail hängen: Die EU-Fluggastrechte unterscheiden nicht danach, wie ein Ticket bezahlt wurde.

Meine Nachbarin Luzia, die eine Etage unter uns wohnt, hört sich solche Geschichten grundsätzlich skeptisch an. Für sie klingt Kreditkarten-Reisen für eine ganz normale Familie eher nach Marketing als nach echtem Vorteil. Ihr konnte ich zum ersten Mal etwas Handfestes entgegensetzen: Ein Sitzplatz, egal ob mit Meilen oder mit 5.000 Euro bezahlt, ist rechtlich derselbe Sitzplatz.

Hand notiert Flugnummer und Verspätungszeit für die Fluggastrechte-Forderung nach einem verspäteten Prämienflug im Reise-Notizbuch

600 Euro pro Person: Das steht Familien bei einer Langstrecken-Verspätung zu

Sobald die Verspätung am Zielort mehr als drei Stunden beträgt, hat man bei einer Langstrecke über 3500 Kilometern Anspruch auf 600 Euro pro Person. Bei uns zu viert macht das 2.400 Euro, mehr, als wir insgesamt an den etwa 1500 Euro Steuern und Gebühren für die gesamte Reise gezahlt hatten.

Für mich fühlte sich das an wie eine dieser Situationen, in denen man monatelang für ein Geburtstagsgeschenk spart und dann merkt, dass einem beim Umtausch mehr zusteht, als das Geschenk je gekostet hat. Man muss nur wissen, dass einem das zusteht, und danach fragen.

Direkt am Gate: Was bei einem ausgefallenen Prämienflug wirklich hilft

Ab zwei Stunden Verspätung stehen Familien Essen und Getränke zu, unabhängig davon, wie das Ticket ursprünglich bezahlt wurde. Wir haben das einmal in der Lufthansa Lounge München erlebt, in die wir dank PriorityPass über die Kreditkarte kamen, während mein Sohn sich am Buffet die kleinen Salzstangen schnappte und meine Tochter mit dem Kopf auf dem Reisekissen wegdöste.

Selbst wenn am Schalter niemand von sich aus Gutscheine anbietet, lohnt es sich, jeden Beleg aufzuheben, jedes belegte Brötchen, jede Wasserflasche für die Kinder wird später Teil der Forderung. Wichtig dabei: Bar- statt Gutschein-Entschädigung einfordern, wenn ein Anspruch auf Geld besteht.

Laptop mit Online-Formular für die Flugverspätung-Entschädigung neben den Bordkarten einer Familienreise mit Meilen

Vom Online-Formular zur Auszahlung: der mühsame Teil

An unserem Schreibtisch am Hinterhof-Fenster in Schwabing-West stelle ich den Laptop auf das windschiefe alte Holzbrett, das schon in den Sechzigerjahren dort eingebaut wurde. Links davon stapeln sich die Notizbücher, eines pro Reise, und über dem Bildschirm hängen an der Korkwand die Kopien vergangener Bordkarten zwischen ein paar gelben Zetteln. Von draußen, aus dem stillen Hof im Nordwesten, kommt gerade genug Licht, um ohne Lampe zu tippen.

Das Online-Formular der Airline ist gut versteckt, aber machbar: Flugnummer LH 454, Datum der Verspätung, fertig. Ich musste kurz an den Moment denken, in dem ich Monate zuvor auf Einlösen geklickt und im nächsten Augenblick 280.000 Meilen von unserem Konto verschwinden gesehen hatte, ein Klick mit ziemlich viel Gewicht dahinter. Damals hatten wir übrigens auch nicht alles richtig gemacht: Ich hatte die Kreditkarte mit dem höchsten Jahreszins gewählt, einfach weil sie uns mehr Meilen versprach, ohne die Kosten dagegenzurechnen. Das war kein kluger Schachzug, nur einer, aus dem ich gelernt habe, genauer hinzuschauen.

Um solche Prozesse zu verstehen, ohne bei jedem neuen Fall wieder bei null anzufangen, hat mir der Meilen Master geholfen. Er erklärt nicht nur das Sammeln von Meilen, sondern auch, wie man in Situationen wie dieser ruhig bleibt. Wer noch weiter gehen will und direkt auf Business Class zielt, findet bei Luxury Travel Hacking mehr Tiefe, auch wenn das für unseren Einstieg zu viel gewesen wäre.

Etwa drei Wochen nach unserer Rückkehr war die Entschädigung von 2.400 Euro auf dem Konto. Den Nachweis der Überweisung habe ich zu den Aufzeichnungen dieser Reise gelegt.

Lohnt sich das Dranbleiben auch für ganz normale Familien?

Wer gerade erst mit dem Sammeln anfängt, sollte auch prüfen, ob eine Partnerkarte für den Ehepartner Sinn ergibt, um als Familie schneller genug Meilen für einen eigenen Prämienflug zusammenzubekommen.

Arndt hat inzwischen verstanden, dass es nicht um geschenkte Flüge geht, sondern um einen ganz normalen Beförderungsvertrag mit ganz normalen Rechten. Luzia bleibt skeptisch, und das ist in Ordnung. Nicht jede Familie muss Kreditkarten und Meilenkonten führen, um trotzdem zu wissen, was ihr bei einer Verspätung zusteht. Am Ende zählt vor allem eines: Eine Flugverspätung bei einem Prämienflug ist kein Grund, leiser aufzutreten als jeder andere Passagier. Der Anspruch bleibt derselbe, ob man bar bezahlt oder Meilen eingelöst hat.