
Zwölftausend Meilen: nur für einen Stromvertrag, den wir sowieso gebraucht hätten. Keine Kreditkarte, kein Vielfliegerprogramm im klassischen Sinn, einfach ein Wechsel des Stromanbieters kurz vor Jahresende. Genau solche Fixkosten sind es, die unser Meilenkonto bei Miles & More inzwischen mehr für unsere Familienflüge füttern als jede einzelne Dienstreise. Seit vier Jahren sammle ich jetzt schon, und die größten Sprünge kamen nie von Bonuspunkten fürs Reisen, sondern von Rechnungen, die ohnehin jeden Monat fällig sind.
Im Sommer 2024 habe ich das Einlöse-Formular für unsere große USA-Reise abgeschickt, und binnen weniger Sekunden waren 280.000 Meilen aus dem Konto verschwunden — vier Tickets in der Premium Economy von Frankfurt nach San Francisco, LH 454, Sitz 32H war meiner, dazu etwa 1500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf. Was mir bis heute geblieben ist: das Tablett mit der echten Stoffserviette, kein Plastikbesteck, kein Einweg-Deckel auf dem Kaffeebecher. Das Konto war danach trotzdem so leer, dass selbst die kleinste Prämie in weiter Ferne lag.
Meine Kollegin Elvira hatte mir 2022 als Erste von der Miles & More Kreditkarte erzählt, kurz nachdem sie selbst den Startbonus abgeholt hatte. Ich griff zu, sammelte die ersten 30.000 Meilen — und wusste danach zwei Jahre lang nicht wirklich, was ich damit anfangen sollte. Bis heute schickt Elvira mir Lounge-Selfies von ihren Dienstreisen, obwohl sie selbst nie wieder bewusst ein einziges Meilenkonto geführt hat.
Dabei hätte ich es früher wissen können. Jahrelang habe ich meine Payback-Punkte brav an der Tankstelle oder beim Wocheneinkauf eingelöst — nie für einen Flug, obwohl sich genau das die ganze Zeit über Amex Punkte zu Miles and More übertragen über Payback für Familienflüge hätte machen lassen. Diese Erkenntnis kam mir erst, nachdem die große Reise schon gebucht war.
Fixkosten als Meilenquelle: der Stichtag im November
Der 30. November ist in Deutschland der Stichtag, an dem man seine Kfz-Versicherung kündigen kann, und ich hatte ihn jahrelang einfach verstreichen lassen. Letzten Herbst saß ich wieder vor der Erhöhung meiner Police und dachte an die Jahre, in denen ich klaglos den Grundversorgungstarif bezahlt habe, ohne auch nur einmal nachzuschauen, ob ein Wechsel etwas bringt. Diesmal war ich vorbereitet: gezielt suchte ich nach Anbietern, die für einen Abschluss über ein Miles & More Partnerportal Bonusmeilen auslobten — meistens 1.500, manchmal auch 5.000 Meilen für einen einzigen Wechsel.

Das Formular selbst war nicht spektakulär. Fahrgestellnummer raussuchen, sich über die Versicherungsteuer von 19 Prozent ärgern, die ohnehin auf jeder Police steht — zwanzig Minuten Arbeit, mehr nicht. Am Ende stand eine Bestätigung im Postfach, und das Konto füllte sich langsam wieder.
Lohnt sich ein Stromanbieter-Wechsel wirklich für Meilen?
Nach der Versicherung war der Strom dran. Zu viert verbrauchen wir in unserem Münchner Haushalt etwa 4000 Kilowattstunden im Jahr, und bei der Größenordnung lohnt sich jeder Blick auf einen Wechsel gleich doppelt. Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich mich durch die Vergleichsportale geklickt, die für einen Wechsel Meilen pro verbrauchter Kilowattstunde oder einen festen Willkommensbonus versprechen.

Mein Mann war skeptisch. "Kostet das am Ende nicht doch mehr?", fragte er, während er die Kinder ins Bett brachte — eine berechtigte Frage, wenn man bedenkt, wie glänzend diese Meilenzahlen auf den Vergleichsportalen präsentiert werden. Zwei Stunden habe ich Tarife nebeneinandergelegt, bevor ich mich für einen entschieden habe.
Ohne dass sich am monatlichen Abschlag etwas änderte, kamen zwölftausend Meilen dazu. Fast die Hälfte von dem, was wir früher für ein einzelnes One-Way-Ticket in der Premium Economy gebraucht hätten.
Die Meilenfalle beim Stromvertrag
Beinahe wäre ich in die Falle getappt. Ein Anbieter versprach 20.000 Meilen für den Wechsel, aber der Arbeitspreis pro Kilowattstunde war so hoch, dass wir über die zwei Jahre Laufzeit fast 400 Euro mehr gezahlt hätten als beim günstigsten Anbieter ohne jede Meile. Das ist die Rechnung, die man eben doch machen muss, bevor man unterschreibt — nicht wie viele Meilen locken, sondern was am Ende unterm Strich hängen bleibt.

Nicht alles lief glatt. Mitte März wartete ich wochenlang auf die Gutschrift meiner Versicherungsmeilen, ohne dass sich am Kontostand etwas rührte. Drei E-Mails und ein Anruf bei der Hotline später stellte sich heraus: ein Zahlendreher in meiner Servicekartennummer hatte die ganze Gutschrift blockiert. Solche Kleinigkeiten können einen wahnsinnig machen, wenn man nicht drangeblieben wäre.
Zwölf Wochen später wieder ins Konto schauen
Zwölf Wochen nach dem Stromwechsel und der gekündigten Versicherung habe ich wieder ins Konto geschaut. Die Meilen aus beiden Wechseln waren endlich verbucht, und der Kontostand hatte sich spürbar erholt — nicht auf einen Schlag, sondern Stück für Stück, so wie man auch für ein Geburtstagsgeschenk über Wochen zurücklegt, statt einmal groß zuzuschlagen.
Manchmal denke ich schon einen Schritt weiter. Ob sich ein Pooling unseres Kontos mit dem meines Mannes lohnen würde. Ob wir während der Schulferien überhaupt noch vier Plätze nebeneinander bekommen, wenn wir das nächste Mal buchen. Ob ungenutzte Meilen irgendwann verfallen, wenn wir nicht aufpassen, und ob ein Companion Award beim nächsten Trip günstiger wäre, als vier einzelne Tickets einzulösen. Auch der Einlösewert selbst beschäftigt mich — ob eine Prämie über eine Partner-Airline manchmal mehr hergibt als der Lufthansa-eigene Tarif. Aber das sind Themen für einen anderen Abend.
Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht, ob sich der Aufwand für einen Status überhaupt lohnen würde. Neulich habe ich aufgeschrieben, wann genau der Miles and More Frequent Traveller Status für Familienreisen einen echten Unterschied macht — und wann er nur ein teures Prestigeprojekt ist.
Vor ein paar Wochen hat mir eine Leserin namens Cordula Wenk aus Düsseldorf geschrieben — eine lange E-Mail, nachdem sie über eine Suche nach Premium Economy mit Meilen auf meinem allerersten Artikel gelandet war. Sie schickt mir inzwischen ab und zu Screenshots aus ihrem Miles & More Portal, wenn sie bei einer Buchung nicht weiterkommt. Genau solche Nachrichten erinnern mich daran, worum es eigentlich geht: nicht um die größtmögliche Meilenzahl, sondern darum, die Rechnungen, die man sowieso bezahlt, endlich für sich arbeiten zu lassen.
Morgen schmiere ich wieder Pausenbrote und suche den Schulranzen. Aber im Kopf ist da schon die nächste Rechnung, die zur nächsten Meile wird.