Wie schaffst du es eigentlich, mit zwei Kindern entspannt durch einen Flughafen zu kommen, ohne dass am Ende jemand weint, dich eingeschlossen? Diese Frage bekomme ich seit unserer ersten großen Meilen-Buchung ständig gestellt, meistens von Leuten, die ein paar tausend Meilen auf dem Konto haben und nicht so recht wissen, was sie damit anfangen sollen.
Die kurze Antwort: über die Lounge – aber anders, als die meisten denken. Als wir im Sommer 2024 unsere 280000 Meilen für vier Premium-Economy-Tickets nach San Francisco eingelöst haben – Flug LH 454, Sitz 32H im A340-600, dazu knapp 1500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf – wurde mir klar, dass der Flug selbst nur die halbe Geschichte ist. Die andere Hälfte spielt sich vorher ab, am Gate und in der Lounge, und genau da stellen mir Leser am häufigsten Fragen.
Wie kommst du mit Kindern überhaupt in die Lounge rein?
Vielfliegerstatus hat mit dem Zugang übrigens weniger zu tun, als viele annehmen. Manche Statusstufen erlauben Begleitpersonen und eigene Kinder, das stimmt – aber die genauen Grenzen und Altersregeln variieren so sehr zwischen den Programmen, dass ich hier bewusst keine Tabelle daraus mache. Für uns als Familie war der Zugang über etwas ganz anderes gelöst, und das erkläre ich gleich.
Zusammengekommen sind unsere Meilen übrigens nicht durch einen einzelnen Bonus, sondern übers Sammeln in mehreren Konten. Wir nutzen dafür das Miles and More Meilenkonto für Familien: So funktioniert das Miles Pooling, weil vier einzelne Konten mit ein paar tausend Meilen niemandem einen Flug bringen, ein gepooltes Konto aber schon.
Die Sache mit der PriorityPass-Karte
Bevor jemand fragt: Nein, wir hatten keinen Senator-Status und auch keinen HON Circle Zugang, als wir vor der Frankfurt-San-Francisco-Reise zum ersten Mal in die Lufthansa Lounge B1 in Frankfurt reinkamen. Der Zugang lief über PriorityPass, den wir über die Miles & More Premium Credit Card bekommen haben. Das ist der Teil, den viele Familien nicht wissen – man braucht dafür keinen erflogenen Status, sondern die richtige Kreditkarte im Portemonnaie.
Am Eingang hält man die Karte oder die App hin, die Kinder zappeln währenddessen mit den Rucksäcken, und man wartet auf das grüne Licht am Scanner. Genau dieses kurze Zittern – klappt es diesmal mit allen vieren nacheinander – ist für mich mittlerweile so etwas wie ein kleines Familienritual geworden. Das Quietschen der Rollkofferrädchen auf dem langen Beton-Gang zu unserem Gate in Frankfurt gehört für mich seitdem genauso zur Reise wie der erste Blick auf die Bordkarte.
Als ich einer Kollegin danach ein Foto der vier Bordkarten schickte, kam nur eine Zeile zurück: Das hast du echt gemacht? Genau dieser Moment – nicht der Flug selbst – hat mir gezeigt, dass sich das Sammeln ohne klaren Plan am Ende doch gelohnt hat.
Mit kleinen Kindern wird die Lounge schnell zur Falle
Jetzt mein ehrliches Geständnis dazu: Wenn die Kinder noch klein sind, würde ich von der Lounge eher abraten. Kurz vor den Weihnachtsferien habe ich beobachtet, wie eine Mutter neben uns verzweifelt versuchte, ihr schreiendes Kleinkind zu beruhigen, während rundherum Business-Reisende an ihren Laptops saßen. Diese gedämpfte Erwartungshaltung – bitte leise sein, bitte niemanden stören – passt einfach nicht zu einem Zweijährigen, der rennen will.
Unsere beiden sind jetzt 8 und 10, und das ist ungefähr das Alter, in dem die Lounge wirklich funktioniert. Sie wissen, dass es dort Brezeln und Gummibärchen gibt, ziehen sich mit ihren Tablets in eine Ecke zurück und stören niemanden. Mit einem Kleinkind dagegen ist der offene Bereich am Gate, mit Platz zum Toben, das bessere Investment – auch wenn kein Designer-Sessel darauf wartet.
Was gibt's im Satellitengebäude für Familien?
An einem verregneten Wochenende haben wir zum ersten Mal das Satellitengebäude in München erkundet, mit der kleinen automatischen Bahn dorthin, die für die Kinder jedes Mal ein eigenes kleines Highlight ist. In den Lounges bei den K- und L-Gates gibt es abgetrennte Family-Bereiche, in denen die Lautstärke schon eher der eines Kindergeburtstags als der einer Vorstandssitzung entspricht.
Genau dort habe ich zum ersten Mal wirklich durchatmen können, während die beiden in Sichtweite mit ihren Sachen beschäftigt waren. Kein Glitzer, kein First-Class-Champagner – nur ein Kaffee, der tatsächlich nach Kaffee schmeckt, und ein paar Minuten, in denen niemand quengelt.
Und wenn die Lounge überfüllt ist oder der Family-Bereich schon belegt?
Dann gehen wir zurück ans Gate, ganz einfach. Das klingt nach Rückschritt, ist es aber nicht. Im Olympiapark würde ich auch nicht in eine überfüllte Liegewiese drängen, wenn zwei Meter weiter Platz ist, und am Flughafen gilt für mich dieselbe Logik. Zwischen Rollkoffern und Gate-Sitzen findet sich fast immer eine ruhigere Ecke, auch ohne Lounge-Zugang.
Nicht alles, was nach einer cleveren Meilen-Idee klingt, funktioniert übrigens genauso gut. Bevor wir bei Meilen richtig eingestiegen sind, hatte ich versucht, unseren Familienurlaub über die Punkte einer Hotelkette zu finanzieren – der Einlösewert war so mager, dass sich der ganze Aufwand kaum gelohnt hat. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass nicht jedes Bonusprogramm für Familien gleich viel wert ist, und warum wir seitdem so genau hinschauen, wofür wir welche Punkte einsetzen.
Mein Nachbar durchstöbert an solchen Wochenenden lieber den Flohmarkt am Odeonsplatz nach alten Vinylplatten – jeder sammelt eben, was ihn glücklich macht. Wir verbringen freie Sonntage meistens im Olympiapark, Fußball oder einfach nur auf der Wiese liegen, und genau dieser unaufgeregte Alltag ist für mich der Maßstab dafür, ob sich eine Meilen-Entscheidung wirklich lohnt: Fühlt es sich am Ende so entspannt an wie ein normaler Sonntag, oder fühlt es sich nach zusätzlichem Stress an?
Mein kurzes Fazit für reisende Familien
Lounge-Zugang mit Kindern ist für mich kein Statussymbol, sondern ein Werkzeug gegen Quengelei vor dem Abflug, nicht mehr und nicht weniger. Wer noch keine Kreditkarte mit PriorityPass-Zugang hat, für den lohnt sich ein Blick auf den Sign-up-Bonus der Miles & More Kreditkarte, der uns damals überhaupt erst in dieses Thema gebracht hat. Wie die eigentliche Buchung so eines Prämienflugs Schritt für Schritt abläuft, erzähle ich ausführlicher in der Geschichte unserer San-Francisco-Reise, und wie man die Steuern und Gebühren bei so einer Buchung realistisch einplant, ist nochmal ein eigenes Thema für sich.
Dazu kommen noch ein paar Dinge, die hier zu weit führen würden: dass Prämiensitze für vier Personen ausgerechnet in den Schulferien knapp werden, dass es einen Companion Award gibt, mit dem Familien beim zweiten Ticket sparen können, dass Meilen auch verfallen können, wenn man jahrelang gar nichts mit ihnen macht, dass sich Meilen im Worldshop und als Prämienflug unterschiedlich lohnen, und dass auch Prämienflüge über Partner-Airlines im Star-Alliance-Netzwerk für uns mittlerweile ein Thema sind. Jedes davon eine eigene Geschichte, keine für hier.
Ob man den Zugang am Ende über eine Amex Platinum oder Lufthansa Kreditkarte nutzt, muss jede Familie für sich entscheiden – bei uns war es die Kombination aus Kreditkarte und gepooltem Meilenkonto. Vielleicht sehen wir uns ja mal in der Lounge B1. Ich bin die mit dem Espresso und dem dicken Notizbuch in der Ecke, die wahrscheinlich gerade wieder eine neue Geschichte notiert.