
Am Bildschirm optimiere ich beruflich pausenlos Klickpfade für fremde Menschen; auf Papier halte ich fest, wohin unsere Familienreisen uns am Ende gebracht haben. Was am Ende dabei herauskommt, nennt mein Mann liebevoll das Meilen-Tagebuch – ein Leinenbuch voller eingeklebter Bordkarten, in dem jede Premium Economy Reise ihre eigene Seite bekommt. Keine Tabelle, keine Reise-Hacks-Liste zum Abhaken, sondern ein Nachschlagewerk mit Eselsohren, das langsam gewachsen ist.
Kurzer Hinweis vorweg, weil er hierher gehört: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links, und wenn du darüber etwas buchst oder kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich für dich am Preis etwas ändert. Zwei Namen tauchen später auf, Meilen Master und Luxury Travel Hacking, beide habe ich selbst ausprobiert, bevor ich sie hier überhaupt erwähne.
Das System hinter dem Leinenbuch
Mein Schreibtisch steht am Hinterhof-Fenster einer Altbauwohnung in Schwabing-West, mit Blick auf einen ziemlich stillen Innenhof im Nordwestlicht. Auf der alten Holzfensterbank neben dem Laptop stapeln sich mittlerweile drei Notizbücher, jedes einer Reise zugeordnet, und darüber hängt ein Korkbrett voller Bordkarten-Kopien und Klebezettel, die ich mir selbst hinterlasse, wenn mir mitten in der Arbeit noch eine Zeile einfällt.
Angefangen hat das Ganze 2022 mit einem Tipp von Elvira Schrank, einer Kollegin aus meinem Bürocluster, die mir von der Lufthansa Miles & More Kreditkarte erzählte, nachdem sie selbst den Startbonus abgeholt hatte. Für sich persönlich bucht Elvira bis heute nur die günstigsten Economy-Tickets, ganz ohne Vielfliegerprogramm – bei ihr hätte ein Meilen-Tagebuch schlicht keinen Sinn.
Ohne sie würde es dieses Buch heute nicht geben.

Das gehört auf jede Seite
Fünf Dinge, nicht mehr: Route, Datum, Sitznummer, Meilenpreis, und ein Satz zu dem, was an diesem Tag schiefgelaufen ist. Auf unserer Bordkarte für den Flug nach San Francisco steht bei uns zum Beispiel: FRA–SFO, Sommer 2024, Sitz 32H und 32J, 280.000 Meilen plus rund 1.500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf.
Genau dieses Formular abzuschicken und in Echtzeit zuzusehen, wie unser Konto um 280.000 Meilen leichter wurde, ist mir stärker im Gedächtnis geblieben als der Flug selbst.
Die Entscheidung, wann man so viele Meilen auf einen Schlag einlöst, fühlt sich für mich ähnlich an wie die, wann man endlich das große Geburtstagsgeschenk kauft, für das man monatelang zurückgelegt hat – man wartet, bis es sich richtig anfühlt, nicht bis der Kontostand perfekt ist.
Mehr zu diesem konkreten Trip, inklusive was mit Kindern vor Ort wirklich funktioniert hat, steht in meinen Tipps für San Francisco mit Kindern. Hier soll es aber um das Buch selbst gehen, nicht um die Destination.
Nicht jede Bordkarte hat es leicht ins Buch geschafft
Monatelang habe ich Miles-&-More-Mails ungelesen weggeklickt, weil mein Postfach beruflich ohnehin schon überquillt. Erst später fiel mir auf, dass da handfeste Bonusmeilen-Aktionen drinsteckten, die einfach verpufft sind, ohne dass ich sie je gesehen habe.
Das kommt genauso ins Buch wie die geglückten Buchungen, mit einer eigenen Randnotiz, damit ich es beim nächsten Mal nicht wiederhole.
Ein Notizbuch, das nur Erfolge zeigt, lügt am Ende ein bisschen.
Verfallsdaten, Boni und andere Kapitel im Buch
Es gibt Seiten nur für Sign-up-Boni, andere nur für Verfallsdaten, wieder andere für Familien-Pooling oder den Companion Award – jedes Thema kriegt in meinem Buch seine eigene Ecke, aber das würde hier den Rahmen sprengen.
Wie die eigentliche Buchung über das Einlöseformular im Detail abläuft, habe ich in einem früheren Eintrag schon einmal in aller Ruhe durchgekaut.
Ob sich das Ganze im Vergleich zum Worldshop-Katalog überhaupt lohnt, ist eine Rechnung, die ich in diesem Buch bewusst nicht mache – dafür gibt es andere Seiten bei mir.
Genauso wenig rechne ich hier vor, wie sich Prämienflüge über Partner-Airlines im Star-Alliance-Verbund im Detail unterscheiden, so verlockend das gerade für den nächsten Trip Richtung Osten auch wäre.
Im Buchungssystem heißt der Datensatz dahinter übrigens Passenger Name Record, ein Begriff, den ich erst durch das ganze Gebühren-Chaos gelernt habe. Wie man die 1.500 Euro realistisch im Vorfeld einplant, ist wiederum ein eigenes Thema für sich. Gerade wenn man wie wir Prämienflüge in den Schulferien für 4 Personen sucht, wird die Verfügbarkeit ohnehin schnell zum eigentlichen Nadelöhr, nicht die Gebührenrechnung.

Eine Leserin schickt mir ihre eigene Geschichte
Cordula Wenk aus Düsseldorf hat mir vor Kurzem eine ziemlich lange Mail geschrieben, nachdem sie über eine Suche zu Premium Economy mit Meilen auf meinen allerersten Beitrag gestoßen war. Sie hat drei Kinder im Schulalter und träumt vom genau selben Flug nach San Francisco, den wir 2024 gebucht haben.
Ich habe ihre Nachricht ausgedruckt und lose zwischen zwei Seiten meines Buchs gelegt, weil sie mich daran erinnert hat, wofür ich das Ganze eigentlich aufschreibe – nicht nur für uns vier, sondern auch für Leute wie sie, die gerade erst anfangen.
Reise-Hacks, die ich weitergebe, wenn du selbst anfängst
Wer selbst mit so einem Buch anfangen will, sollte nicht bei First Class einsteigen wollen – das ist für die meisten Familien unrealistisch und meistens auch der falsche Ehrgeiz. Der eigentliche Sweetspot liegt eher bei Premium Economy oder bei kleinen Verbesserungen, die den Unterschied machen, etwa beim Lufthansa Lounge Zugang mit Kindern, den ich in einem anderen Eintrag genauer beschrieben habe.
Sonntags sitze ich manchmal mit einer Thermoskanne auf einer Bank im Westpark, während die Kinder am Teich herumtoben, und überlege mir dort schon, wie die nächste Buchseite aussehen soll.
Bei den zwei Kursen, die ich eingangs erwähnt habe, sieht das ganz unterschiedlich aus. Meilen Master hat eine niedrigere Einstiegshürde für alle, die gerade erst mit Meilen anfangen, auch wenn sich der genaue Preis bei mir erst im Checkout gezeigt hat, was ich beim ersten Mal seltsam fand. Luxury Travel Hacking verspricht laut eigener Beschreibung bis zu 80 Prozent Ersparnis über Meilen- und Punkte-Strategien plus Hotelstatus, richtet sich aber klar an Leute, die öfter als einmal im Jahr fliegen – für unseren einen großen Familientrip war das Basiswissen aus dem anderen Kurs am Ende passender.
Die nächste Bordkarte liegt noch nicht im Buch, aber der Platz dafür ist schon reserviert, gleich neben der Karte aus San Francisco.