
Der Kellner räumt gerade die Dessertteller ab, da habe ich schon die Miles & More App offen und tippe den Namen des Restaurants ins Suchfeld. Mein Mann zieht die Augenbrauen hoch, so wie jedes Mal, wenn ich mitten im Essen zur Kontrolle greife. Es geht um eine simple Frage: Ist dieser Laden ein Miles & More Dining Partner, oder zahlen wir heute einfach nur die Rechnung, ohne dass hinterher eine einzige Meile auf unserem Konto landet? Genau diese Frage stelle ich mir inzwischen bei fast jedem Restaurantbesuch in der Münchner Gastronomie, und aus der Antwort ist über die Jahre ein ziemlich verlässliches Stück Meilensammeln im Alltag geworden – eine Art Family Travel Hacking, das komplett am Tisch beim Bestellen passiert und nicht am Schreibtisch mit Tabellen.
Seit vier Jahren schreibe ich jede Restaurantquittung und jede Meilen-Gutschrift in ein Notizbuch, seit wir 2024 zum ersten Mal 280.000 Meilen für vier Premium-Economy-Tickets von Frankfurt nach San Francisco eingelöst haben, dazu rund 1500 Euro an Steuern und Gebühren obendrauf. Diese eine Buchung hat mir gezeigt, wie viel Meilen am Ende wert sein können. Die eigentliche Arbeit dorthin passiert aber nicht am Buchungsschalter, sondern an ganz gewöhnlichen Restauranttischen, Abend für Abend, lange bevor überhaupt ein Flug gebucht wird.
Was macht einen Miles & More Dining Partner in München aus?
Ein Dining Partner ist ein Restaurant, eine Bar oder ein Café, das über Miles & More an das Bonusprogramm angeschlossen ist. Bezahlt man dort und ist das Konto in der App hinterlegt, bucht das System Meilen auf Basis des Rechnungsbetrags gut, unabhängig davon, welche Karte man am Ende an den Tisch reicht. In der Münchner Altstadt ist das Netz solcher Partner inzwischen so dicht, dass wir kaum noch aktiv danach suchen müssen. Trotzdem lohnt sich vor jeder Reservierung ein kurzer Blick, ob genau dieser Laden aktuell noch gelistet ist, denn die Partnerliste verschiebt sich häufiger, als man erwarten würde.
Der Double Dip: Kreditkarte und Restaurant-Bonus kombinieren
Der eigentliche Hebel heißt Double Dip. Als Dining Partner gutgeschrieben wird standardmäßig eine Meile pro Euro Rechnungsbetrag. Bezahlt man zusätzlich mit der Miles & More Gold Credit Card, kommt die reguläre Kreditkarten-Meile von einer Meile pro zwei Euro Umsatz obendrauf. Über meine Erfahrungen mit Kreditkartenumsätzen im Alltag habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben, aber am Restauranttisch zeigt sich der Effekt am deutlichsten, weil zwei Gutschriften auf ein und derselben Rechnung zusammenkommen. Läuft dazu noch eine befristete Bonusaktion mit vervielfachten Meilen, wie es bei größeren Familienessen schon öfter der Fall war, wächst der Kontostand an einem einzigen Abend spürbar. Nur so viel dazu, weil es an anderer Stelle ausführlicher gehört: Ohne Vieltraveller-Status verfallen ungenutzte Meilen nach 36 Monaten, was die Kreditkarte für uns zum verlässlichsten Schutz gegen den Verfall macht.

Drei Kriterien, die ich vor jeder Reservierung prüfe
Bevor ich einen Tisch buche, laufen inzwischen drei stille Kontrollen ab. Erstens: Steht das Restaurant aktuell noch auf der Partnerliste in der App, denn ein Laden, der letztes Jahr dabei war, kann es heute schon nicht mehr sein. Zweitens: Läuft gerade eine Bonusaktion mit erhöhtem Meilenfaktor, die es wert macht, ein Familienessen bewusst auf dieses Wochenende zu legen statt spontan irgendwohin zu gehen. Drittens: Lässt sich die Rechnung mit der Karte begleichen, die den Double Dip auslöst, oder besteht der Laden auf Bargeld, wodurch die zweite Gutschrift komplett wegfällt. Nur wenn alle drei Punkte passen, lohnt sich der kurze Umweg über die App wirklich. Bei nur einem erfüllten Kriterium sind die Meilen meist so gering, dass ich mir die Mühe fast sparen könnte.

Wo Familien-Travel-Hacking beim Essen an seine Grenzen stößt
Nicht jedes Bonusprogramm hält, was es verspricht.
Wir haben einmal versucht, mit den Punkten einer Hotelkette einen kompletten Familienurlaub zu finanzieren, und mussten feststellen, dass der Einlösewert so weit unter dem lag, was wir uns vorher ausgerechnet hatten, dass wir das Vorhaben schnell wieder aufgegeben haben. Seitdem messe ich jedes Bonusprogramm an genau diesem Maßstab: Was bekomme ich wirklich zurück, nicht was in der Beschreibung steht. Bei den Dining Partnern von Miles & More hat sich das bisher als eines der ehrlicheren Systeme erwiesen, auch wenn längst nicht alles reibungslos läuft. In der Lufthansa Lounge in München, die wir vor einem Kurzstreckenflug besucht haben, war es an dem Tag so voll, dass wir kaum einen Platz fanden – ein kleiner Beweis dafür, dass Meilensammeln in der Realität selten so glatt läuft wie in der App-Beschreibung.
Warum Meilensammeln im Alltag für uns mehr zählt als der eine große Flug
Für unsere Kinder fühlt sich das Ganze an wie ein Sparschwein, in das wir nach jedem Restaurantbesuch ein paar unsichtbare Münzen werfen. Keine einzelne Mahlzeit verändert etwas, aber die Summe am Jahresende schon – genau so haben wir früher auch auf ein Geburtstagsgeschenk gespart, nur eben ohne App und ohne Meilen. Der erste Espresso, den mir jemand in der Lounge B1 einfach kostenlos hinstellte, schmeckte nach nichts Besonderem. Trotzdem ist genau dieser eine Kaffee inzwischen der Maßstab, an dem ich jeden Urlaub messe, weil er zeigt, wie viel sich aus lauter kleinen, alltäglichen Entscheidungen bauen lässt.
Eine Freundin von mir, die sonntags lieber auf dem Flohmarkt am Odeonsplatz nach alten Vinylplatten stöbert, findet das ganze System bis heute zu kompliziert. Für uns als Familie mit zwei Kindern ist es dagegen kaum mehr als ein zweiter Blick aufs Handy, bevor man bestellt. Nach dem Essen drehen wir oft noch eine Runde durch den Olympiapark, und spätestens wenn die Kinder dabei müde werden, wird mir klar: Der eigentliche Wert steckt nicht in dem einen großen Flug nach San Francisco, sondern in der Summe aus vielen kleinen Abenden, die man kaum als Meilensammeln erkennen würde, wenn man nicht genau hinschaut. Wer ohnehin regelmäßig auswärts isst und schon eine Miles & More Karte besitzt, sollte die App einfach nebenbei mitlaufen lassen. Wer dagegen nur zwei- oder dreimal im Jahr essen geht, wird über diesen Weg allein kaum je einen ganzen Flug zusammenbekommen – dafür braucht es dann doch die größeren Bausteine wie Kreditkarten-Boni oder Flugbuchungen selbst.