
230.000 Meilen liegen gerade als Entwurf in unserem Miles & More Konto: vier Plätze für LH 490 nach Vancouver, vorgemerkt für nächsten August, Sitzreihe 24 in der Premium Economy, aber noch nicht wirklich gebucht, während ich abwäge, ob wir schon wieder zu viert losfliegen sollen. Genau diese Abwägung ist der Grund, warum ich seit unserem ersten großen Meilen-Erfolg zwei ziemlich unterschiedliche Wege ausprobiert habe, um als Familie weiterzusammeln. Für unser Reise-Tagebuch ist das inzwischen fast wichtiger als die Flüge selbst: Ich will verstehen, welcher Weg für Familienreisen wirklich trägt, und nicht nur, welcher sich im Moment gerade gut anfühlt.
Zuhause nennt man mich nur noch Meilen-Master, mit einem Augenzwinkern, aber es passt.
Der Auslöser für beide Wege war unsere erste große Prämienflug-Buchung nach Kalifornien, finanziert auch mit Meilen aus einem Kreditkarten-Sign-up-Bonus, den ich 2022 fast beiläufig mitgenommen hatte. Wie genau diese eine Buchung ablief, habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich aufgeschrieben; hier soll es um das gehen, was danach kam.
Weitersammeln nach dem ersten Erfolg: Alltag oder gezielte Aktion?
Seitdem stellt sich mir bei jeder Kreditkartenabrechnung dieselbe Frage. Sammle ich einfach weiter, so wie es sich im Alltag ergibt? Oder plane ich gezielt auf ein neues Fenster hin, so wie wir es beim ersten Mal am Ende doch getan haben? Ich habe beide Wege parallel laufen lassen, um zu sehen, was für uns als Familie mit zwei Schulkindern wirklich funktioniert.

Der Alltags-Weg: Miles & More Kreditkarte, Partnerkarte und kleine Routinen
Der erste Weg ist unspektakulär, fast langweilig. Mein Mann und ich haben irgendwann gelernt, dass die Miles and More Kreditkarte Partnerkarte für Ehepartner sinnvoll ist, wenn wir wirklich jeden Alltagseinkauf auf ein gemeinsames Konto lenken wollen. Keine große Aktion, kein Kalender voller Erinnerungen, nur die Karte statt Bargeld, immer und überall.
Dazu kommen kleine Nebenwege, die ich lange unterschätzt habe. Punkte aus bestimmten Kreditkarten-Partnerprogrammen lassen sich unter gewissen Bedingungen ins Meilenkonto übertragen, und wer es eilig hat, kann fehlende Meilen sogar dazukaufen, beides Dinge, die wir bisher nur einmal ausprobiert haben, weil sie sich für uns selten wirklich lohnen.
Der Haken am Alltags-Weg ist der Verfall. Miles & More lässt Meilen nicht ewig liegen, und ich kenne genug Leute, die deshalb kurz vor knapp noch schnell einen Kurztrip gebucht haben, nur um nichts zu verlieren.
Es gibt außerdem einen Unterschied, den viele am Anfang durcheinanderbringen: Statusmeilen bringen dir Vorteile im nächsten Reisejahr, Prämienmeilen bringen dir den nächsten Flug. Wir sammeln fast ausschließlich für Letzteres.

Der gezielte Weg für Familienreisen kostet mehr Nerven, bringt uns aber näher ans nächste Ziel
Der zweite Weg sieht ganz anders aus. Hier geht es nicht um Routine, sondern um ein festes Fenster, meistens die Schulferien, weil wir mit zwei Kindern im Grundschulalter kaum Alternativen haben. Genau in diesem Fenster wird die Verfügbarkeit für vier Plätze auf einmal knapp, weshalb ich inzwischen Monate im Voraus schaue, wie wir Meilen einlösen für Familien können, ohne am Ende leer auszugehen.
Pooling gehört für uns längst zur Grundausstattung, auch wenn ich die genauen Regeln dazu lieber der Seite überlasse, die sich nur damit beschäftigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ohne gebündeltes Konto hätten wir für vier Personen nie genug zusammenbekommen.
Auch Prämienflüge über Partnerfluggesellschaften im Star-Alliance-Verbund sind grundsätzlich drin. Wir haben es noch nicht gebraucht, aber ich behalte es im Hinterkopf, falls Lufthansa selbst für unser Ziel keinen Platz mehr freigibt.
Und dann ist da noch der Companion Award, von dem mir eine andere Mutter aus dem Elternbeirat erzählt hat: eine Begleitperson zusätzlich zum eigenen Vielflieger-Ticket mitzunehmen. Ausprobiert haben wir es nicht, ausgeschlossen ist es für die nächste Reise aber auch nicht.
Mit Meilen upzugraden, statt sie komplett fürs Ticket auszugeben, hebe ich mir bewusst für später auf, vielleicht für die Rückreise, wenn die Kinder etwas älter sind und ein ruhigerer Sitz für acht Stunden kein Luxus mehr ist, sondern einfach mehr Schlaf für alle.
Den Worldshop habe ich mir angeschaut, um Meilen gegen Produkte statt gegen Flüge zu tauschen, aber das Gefühl danach war jedes Mal ähnlich: Es fühlt sich kleiner an als ein Flug, egal wie ich es drehe.

Die Steuern und Gebühren nicht unterschätzen
Bei unserer allerersten großen Einlösung hatte ich genau einen Fehler gemacht, den ich seitdem nie wieder mache: Ich hatte die Steuern und Gebühren nicht eingeplant. Als die Zahlungsaufforderung kam, saß ich kurz da und überlegte ernsthaft, die ganze Reise wieder abzusagen, weil die Summe so viel höher war als das, was ich im Kopf hatte. Mein Mann hat mich davon abgehalten, mit dem Satz, dass Meilen ohne Steuern und Gebühren eben ein Märchen sind, kein Rabatt.
Deshalb schreibt mir Winold Krauss, ein Bekannter aus einem deutschen Vielflieger-Forum, bei fast jeder Gelegenheit dieselbe Warnung: Die Steuern und Gebühren bei Miles & More seien viel zu hoch, um wirklich von einem Schnäppchen zu sprechen. Ich widerspreche ihm nicht mehr, ich plane nur inzwischen anders.
Meine Lufthansa Meilenflug stornieren oder umbuchen Erfahrungen haben mir seitdem gezeigt, dass eine verschobene Buchung fast immer eine neue Gebührenrechnung mit sich bringt; die zweite Überraschung will ich mir kein zweites Mal leisten.

Was mich trotzdem jedes Mal wieder überzeugt, ist ein einziges Bild aus dem Flugzeug: Meine Tochter klappte auf einem unserer Flüge das kleine Tablett auf, sah die echte Stoffserviette darauf liegen und sagte nur ein leises Wow. Mehr Bestätigung brauche ich eigentlich nicht.
Noch am Gepäckband, kaum gelandet, spürte ich das kurze Vibrieren am Handgelenk; die Meilengutschrift war schneller da als unser Koffer.
Auch beim Mietwagen behalte ich die Gutschrift inzwischen genauer im Blick, seit einmal Meilen von einer Anmietung einfach nicht auf unserem Konto ankamen und ich sie mühsam nachreichen musste.
Meine Freundin Reinhild ruft oft abends an, wenn bei uns beiden die Kinder endlich schlafen, und ich nehme das Gespräch dann meistens im Gehen an, auf einer Runde durch Schwabing. Bei ihr geht es fast immer um denselben ungebuchten Flug, den sie seit zwei Jahren plant, aber nie wirklich bucht. Ich höre zu und merke jedes Mal, wie sehr mir die kleinen, unspektakulären Buchungsschritte dabei helfen, nicht in genau dieser Warteschleife hängen zu bleiben.
Zwei Wege, eine Familie, eine Entscheidung
Beide Wege würde ich behalten. Den Alltags-Weg wähle ich, wenn kein festes Ziel feststeht und ich einfach nicht will, dass unser Konto brachliegt. Den gezielten Weg wähle ich, sobald ein echtes Fenster feststeht: ein Schulferienblock, ein rundes Familienjubiläum, ein Ziel, das wir uns schon lange wünschen.
Vergleichen lässt sich das am ehesten mit einem Geburtstagsgeschenk: Manchmal legt man über Monate kleine Beträge zur Seite, ohne genau zu wissen wofür, und manchmal spart man gezielt auf ein einziges Geschenk hin, weil der Anlass schon feststeht. Bei unseren Meilen ist es nicht anders.
Die 230.000 Meilen in unserem Konto bleiben also erst einmal Entwurf. Aber ich weiß jetzt genau, welcher der beiden Wege uns dorthin bringt, sobald wir uns entscheiden.