
24 Stunden – mehr braucht ein Zwischenstopp auf einem Prämienticket nicht, damit Miles & More ihn nicht mehr als Umsteigezeit zählt, sondern als echten Stopover mit eigenem Programm. Diese Zahl hat mich selbst stutzig gemacht, als ich sie zum ersten Mal in den Bedingungen gelesen habe – ich war überzeugt, ein Zwischenstopp heißt zwangsläufig: durch die Sicherheitskontrolle hetzen, Kaffee im Stehen trinken, weiter zum nächsten Gate. Genau dieser Irrglaube kostet Familien mit Kindern jedes Jahr Tage, die sie sich eigentlich schenken könnten, ohne einen einzigen Meilen-Punkt mehr zu bezahlen.
Für Familien, die mit Meilen reisen, ist das mehr als eine Randnotiz der Miles-and-More-Stopover-Regeln, sondern einer der besten Travel-Hacking-Tricks, den es für uns überhaupt gibt. Wenn ihr auf dem Weg nach Australien oder Südostasien ohnehin über einen Hub wie Singapur fliegt, könnt ihr dort bleiben, fünf Tage, eine Woche, so lange ihr wollt, solange es über 24 Stunden sind. Der Prämienpreis in Meilen bleibt exakt derselbe. Bezahlt wird nur, was am Zwischenstopp an Steuern und Flughafengebühren obendrauf kommt.
Unsere eigene Bordkarte dafür trage ich noch in Erinnerung: Flug LH 454 von Frankfurt nach San Francisco, Sitz 32H, Sommer 2024, 280.000 Meilen für vier Plätze in der Premium Economy plus rund 1500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf. Diese eine Buchung hat mir gezeigt, dass Prämienflüge für uns überhaupt funktionieren. Die Stopover-Regeln habe ich erst danach richtig verstanden.
Der Mythos vom teuren Stopover
Der Mythos hält sich hartnäckig, sogar unter Leuten, die sich mit Meilen auskennen. Ich war mit den Kindern am Isar-Ufer beim Flaucher unterwegs, als Reinhild – eine alte Studienfreundin, die inzwischen mit ihrer Familie in Hamburg lebt – mir über Signal schrieb und fragte, ob ein Zwischenstopp den ganzen Flug nicht automatisch teurer macht. Sie fragt bei jedem neuen Reiseziel als Erste, ob wir nicht zusammen fliegen könnten, dieses Mal ging es um Südostasien, und ihre erste Sorge war genau dieser Irrglaube.
Die Antwort, die ich ihr geschickt habe, war kurz: Nein, der Stopover selbst kostet nichts extra, solange man innerhalb der Regeln bleibt. Pro Flugrichtung ist genau ein Stopover von über 24 Stunden erlaubt, und das eigentliche Reiseziel zählt dabei nicht mit.

Wie sich das online buchen lässt
Technisch hakt es nicht an der Regel, sondern an der Umsetzung: Auf der Miles & More Website lässt sich zwar ein Gabelflug zusammenstellen, aber ein echter Stopover auf der Route über einen Prämienhub taucht in keinem Buchungs-Tool auf. Man klickt sich durch Multi-City-Optionen, findet Umsteigeverbindungen mit sieben Stunden Wartezeit, aber nichts, was erlaubt, fünf Tage zu bleiben.
In einem Forum für Vielflieger bin ich vor Jahren über einen Kommentar von einem gewissen Winold Krauss gestolpert, der seit über fünfzehn Jahren ausschließlich mit Meilen und Punkten reist. Er schrieb ganz nüchtern, dass Stopovers grundsätzlich nur über die Hotline gebucht werden, weil das Online-System dafür schlicht nicht gebaut sei. Genau das hat sich bei unserer Buchung bestätigt.
Vier Sitze nebeneinander: Der erste Fehlversuch
Ich hatte es online versucht, bevor ich überhaupt bei der Hotline gelandet bin: vier Economy-Plätze nebeneinander für die Familie, drei Monate im Voraus. Ausgebucht. Komplett. Nicht mal zwei nebeneinander waren mehr frei, geschweige denn vier. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich mit dem Standard-Weg bei dieser Route nicht weiterkomme.
Also griff ich zum Telefon. Vierzig Minuten in der Warteschleife, während im Hintergrund das Abendessen der Kinder auf dem Herd stand. Die Dame am anderen Ende konnte einen Stopover mit vier zusammenhängenden Plätzen zusammenstellen, den online niemand angeboten hätte.

Kinder-Rabatt und Gepäck richtig einplanen
Sobald der Stopover steht, kommen die Detailfragen: Wie viele Segmente sind erlaubt, was zahlen die Kinder, wie viel Gepäck geht mit. Pro Richtung sind maximal vier Flugsegmente drin: München–Frankfurt, Frankfurt–Singapur, Singapur–Sydney macht schon drei davon, da bleibt kaum noch Spielraum für einen weiteren Umweg.
Für Kinder zwischen 2 und 11 Jahren gibt die Lufthansa Group 25 Prozent Rabatt auf den Meilenpreis, auch bei einem Routing mit Stopover. Das gleicht nur zum Teil aus, dass die Steuern und Gebühren für die Kinder kaum niedriger ausfallen als für uns Erwachsene. Wie genau sich diese Gebühren zusammensetzen, ist eine eigene Rechnung, die ich an anderer Stelle einmal komplett durchgegangen bin. Genau deshalb habe ich für die Kinder außerdem ein eigenes Konto angelegt: warum ich ein Miles and More Konto für Kinder eröffnet habe. In der Premium Economy sind zwei Gepäckstücke bis 23 Kilogramm pro Person drin, was bei einer Reise durch zwei Klimazonen keine Kür, sondern Notwendigkeit ist.
Dass wir für so eine Buchung überhaupt genug Meilen auf einem gemeinsamen Konto haben, liegt daran, dass wir die Familie von Anfang an gepoolt haben, statt vier einzelne Konten nebeneinander laufen zu lassen. Verfallen sind uns die Meilen bei der Menge, die inzwischen zusammenkommt, ohnehin nicht mehr. Ein Thema war das nur ganz am Anfang, als 2022 der erste Kartenbonus aufs Konto kam und ich noch nicht wusste, wofür.
Zwei Tickets schlagen ein großes
Bei der Recherche zu unserer Singapur-Sydney-Etappe ist mir aufgefallen, dass ein einziges großes Ticket nicht immer die günstigere Wahl ist. Die Treibstoffzuschläge der Lufthansa Group summieren sich bei komplexen Routings, und ein separates Prämienticket mit einer Partner-Airline innerhalb der Region kann unterm Strich weniger Meilen und vor allem weniger Gebühren kosten. Ob sich das am Ende wirklich mehr lohnt als die Barzahlung fürs gleiche Ticket, ist wieder eine andere Rechnung. Die gehört auf eine andere Seite, nicht in dieses Bordkarten-Tagebuch.

Wer sich für den ersten Abschnitt mit Lufthansa entscheidet, kann in Frankfurt die Lounge B1 über den PriorityPass der eigenen Kreditkarte nutzen, bevor es weitergeht. Das ist praktisch, wenn zwischen zwei Langstrecken noch ein Umstieg mit Kindern ansteht. Wie man von einer einzelnen Kreditkarten-Empfehlung bis zu einem kompletten Prämienflug für vier Personen kommt, ist eine eigene Geschichte, die ich an anderer Stelle erzählt habe. Lufthansa Upgrades mit Meilen gehören für uns inzwischen genauso dazu.
Auch das haben wir uns überlegt: Sollte irgendwann eine weitere erwachsene Person mitkommen, ohne ein eigenes Polster an Meilen, gibt es bei Miles & More mit dem Companion Award eine eigene Lösung dafür. Und weil wir das Ganze in den Sommerferien unterbringen wollten, war klar, dass die Verfügbarkeit an so einem Hub eine eigene Herausforderung ist, die sich nicht mit der Buchung selbst erledigt.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
Als die Buchungsbestätigung für alle vier Sitze endlich in meinem Postfach lag, habe ich ein Foto der Bordkarten-Reihe an eine ehemalige Arbeitskollegin geschickt, ohne großen Kommentar dazu. Ihre Antwort kam nach ein paar Minuten: „Das hast du wirklich gemacht?" Genau in diesem Moment wusste ich, dass sich die vierzig Minuten Warteschleife gelohnt hatten.
Am Check-in-Automaten wird es bald so weit sein: Der Automat spuckt vier frische Bordkarten aus, und dieser leicht scharfe Geruch von frischer Druckertinte hängt für einen Moment in der Luft, bevor die Karten in meiner Tasche verschwinden. Für uns als Familie, die seit vier Jahren überhaupt erst Meilen sammelt, ist das kein kleiner Schritt.
Wer selbst einen Stopover plant, sollte sich also nicht von der Miles & More Website abschrecken lassen, nur weil dort keine passende Option auftaucht. Die Regel bleibt simpel: Unter 24 Stunden ist es ein normaler Umstieg, darüber ein Stopover, für den keine einzige Meile mehr fällig wird. Der Griff zum Telefon führt dorthin, wo die Webseite nicht hinkommt.