
Der Gurtklick in Reihe 32 der Airbus A340-600 klingt satter als in der Holzklasse dahinter, fast wie bei einem gut verarbeiteten Autotürschloss. Für unsere vierköpfige Familie war genau das der Moment, in dem sich unser Miles-&-More-Konto zum ersten Mal handfest anfühlte: vier Plätze in der Premium Economy, bezahlt mit Meilen statt mit der Kreditkarte. Dieser Eintrag ist der nüchterne Teil meines Bordkarten-Tagebuchs: die Fakten zum Familien-Travel-Hacking, an denen ich mich beim nächsten Prämienflug wieder entlanghangeln will.
Cordula Wenk hat mir nach dem ersten Artikel eine lange Mail geschrieben, sie lebt mit ihren drei Kindern in Düsseldorf und will genau diesen Flug einmal nachbuchen. Ihre Fragen waren nüchterner, als ich erwartet hatte: 280.000 Meilen für vier Bordkarten von Frankfurt nach San Francisco, Premium Economy statt Business, dazu rund 1500 Euro Steuern und Gebühren – das war unsere Rechnung, und genau die schlüssele ich hier auf, ohne Umwege über die große Reise-Geschichte drumherum.
38 Zoll Sitzabstand: Was der Kinderrabatt für uns bedeutet hat
Der Miles & More Kinderrabatt hat bei uns den Ausschlag gegeben: Kinder zwischen 2 und 11 Jahren brauchen nur 75 Prozent der Meilen eines Erwachsenen-Tickets. Bei vier Personen, davon zwei Kindern, ist das kein Rundungsfehler, das ist der Unterschied zwischen machbar und utopisch. Der eigentliche Moment der Wahrheit kam beim Landen selbst, am San Francisco International Airport, nachdem wir zuvor in Frankfurt in die LH 454 gestiegen waren, eine Airbus A340-600, meine eigene Bordkarte zeigte Sitz 32H. Dazu kamen etwa 1500 Euro Steuern und Gebühren für die ganze Familie, eine Summe, die ich vorher zu niedrig eingeschätzt hatte. Eine genaue Aufschlüsselung dieser Steuern und Gebühren gehört in einen anderen Eintrag meines Tagebuchs.
Hier zählt nur: Sie kamen, und sie waren real.

Armlehnen, Fußstützen und der Frieden in Reihe 32
Die Zahlen aus dem Datenblatt wurden für uns erst in Reihe 32 zu etwas Spürbarem. 38 Zoll Sitzabstand, umgerechnet knapp 96 Zentimeter, heißt: Mein Sohn musste nicht mehr im Zehn-Minuten-Takt gegen die Rückenlehne vor ihm treten. Er saß direkt neben mir, klappte die Fußstütze herunter und schlief innerhalb weniger Minuten ein, ohne Ritual, ohne Diskussion, einfach weg. Die Bildschirme mit 11 bis 12 Zoll waren groß genug, dass meine Tochter ihre Kopfhörer aufsetzte und für den Rest des Fluges in ihrem Film verschwand. Zweimal 23 Kilogramm Gepäck pro Person bedeutete außerdem, dass wir zum ersten Mal nicht rechnen mussten, ob der dritte Koffer überhaupt noch mitdarf.
In San Francisco stiegen zwei Kinder aus dem Flieger, ohne dass jemand quengelte oder nach dem Kopfkissen suchte. Das war der eigentliche Ertrag der Zentimeter und Zoll.
Die Lounge, wenn sie aus allen Nähten platzt
Die Lufthansa Lounge B1 in Frankfurt sollte der ruhige Start werden, den ich mir nach der Buchungshektik gewünscht hatte. Über den PriorityPass meiner Kreditkarte kamen wir zwar hinein, aber vier Plätze nebeneinander gab es an diesem Morgen nicht. Es fühlte sich eher an wie Samstagvormittag im gut besuchten Einrichtungshaus als wie der ruhige Auftakt, den ich mir ausgemalt hatte. Wer mit vier Personen reist, sollte die Lounge also als Bonus einplanen, nicht als festen Programmpunkt.
Der Espresso war gut, das Gedränge nicht.
Payback-Punkte endlich fürs Fliegen einsetzen
Bevor Elvira Schrank mir von der Lufthansa-Kreditkarte erzählte, hatte ich Payback-Punkte gesammelt wie die meisten Leute: für Benzin, für den Wocheneinkauf, nie für einen Flug. Elvira bucht für sich selbst übrigens bis heute nur günstige Economy-Tickets, ganz ohne Vielfliegerprogramm, umso überraschter war ich, dass ausgerechnet sie mir den Anstoß gab. Erst durch sie wurde mir klar, wie viel in einem gewöhnlichen Punktekonto liegen bleibt, wenn niemand einem zeigt, wofür man es tatsächlich einlösen kann. Diese Umstellung, weg von Punkten für den Alltag, hin zu einem Konto mit einem konkreten Ziel, war am Ende wichtiger als jede einzelne Buchung danach.
Warum wir beim Familien-Travel-Hacking nicht auf die Business Class gewartet haben
Viele Travel-Hacker würden sagen, Premium Economy sei Verschwendung, wenn man stattdessen auf Business oder First sparen könnte. Für eine vierköpfige Familie sieht die Rechnung anders aus, ähnlich wie bei der Entscheidung, ob man ein Jahr lang auf ein großes Geburtstagsgeschenk spart oder die Summe auf drei kleinere Freuden verteilt. Wir haben lange überlegt, ob wir stattdessen den Companion Award nutzen sollen, aber für diese Route in den Schulferien war die direkte Buchung der Premium Economy der sicherere Weg. Genau wie ich vor einer Laufrunde im Englischer Garten vorher weiß, welche Strecke ich nehme, damit ich pünktlich zurück bin, mussten wir vorher wissen, welche Klasse für vier Personen gleichzeitig überhaupt frei war.
Was ich Cordula Wenk noch schulde
Cordula wird als Nächstes fragen, wie man eine Prämienflug-Buchung technisch durchklickt, wie man in den Schulferien vier Plätze gleichzeitig findet, wie man Meilenverfall verhindert oder ob sich ein Prämienflug über eine Partner-Airline der Star Alliance überhaupt lohnt. All das gehört in eigene Einträge meines Tagebuchs, nicht in diesen. Auch die Frage, ob Familien-Pooling im Meilenkonto oder der reine Einlösewert pro Meile am Ende mehr bringt, spare ich mir hier bewusst auf. Was ich Cordula stattdessen mitgeben kann: Rechne mit dem Kinderrabatt, plane die Lounge als Kann und nicht als Muss, und erwarte nicht, dass die erste Prämienbuchung schon die perfekte ist. Wer wissen will, wann sich Lufthansa Meilenschnäppchen für Familien wirklich lohnen, findet dort den nächsten Teil dieser Rechnung.
Ich schreibe das am Schreibtisch vor dem Hinterhoffenster unserer Altbauwohnung in Schwabing-West, drei vollgeschriebene Bordkarten-Notizbücher liegen links vom Monitor, sortiert nach Reise, darüber ein Korkboard mit Kopien und Klebezetteln. Nordwestlicht fällt auf einen ruhigen Hinterhof, kein Blick auf die Golden Gate Bridge, aber genau von hier aus wird die nächste Bordkarte geplant.