
Acht Plätze. So viele Premium-Economy-Sitze gab es für den ganzen Juli auf einer bestimmten Langstrecke insgesamt frei – aufgeteilt auf gerade zwei Flüge im kompletten Monat. Genau diese Zahl entscheidet am Ende, ob sich eine Familienreise mit Meilen einlösen lässt, nicht die Schönheit des Ziels auf der Wunschliste.
Für uns als vierköpfige Familie ist das inzwischen die eigentliche Planungsgrundlage für jede Fernreise mit Kindern: nicht erst das Wunschziel suchen und dann hoffen, dass Miles & More vier Plätze dafür freigibt, sondern umgekehrt rechnen. Dieser Artikel ist deshalb kein Ranking der schönsten Länder, sondern die Reihenfolge, in der ich inzwischen jede Buchung durchgehe, bevor überhaupt ein Ziel feststeht.
Die Zahl, die über die Familienreise mit Meilen entscheidet
Verfügbarkeit schlägt Wunschliste, und zwar fast immer. Lufthansa und ihre Partner geben für Prämienflüge nur eine begrenzte Anzahl Sitze pro Flug frei, und bei vier Personen in der Premium Economy ist dieses Kontingent oft nach wenigen Minuten erschöpft, sobald das Buchungsfenster öffnet.
Die eigentliche Prämienflug-Buchung ist am Ende nur ein Klick im Miles & More Konto. Die Vorarbeit davor entscheidet, ob dieser Klick überhaupt etwas findet, das zu unserer Familie passt.

Wie viele Meilen braucht eine vierköpfige Familie wirklich?
280.000 Meilen liegen bei uns gerade auf dem Konto, zusammengetragen über mehrere Jahre und ohne große Strategie dahinter. Der erste Batzen kam 2022 über die Kreditkarten-Empfehlung einer Kollegin, der Rest ist einfach beim normalen Leben und Fliegen dazugekommen.
Manche Familien legen ihre einzelnen Miles & More Konten für eine große Buchung zusammen, ein sogenanntes Pooling. Wir haben das noch nie gebraucht, weil unser eigenes Guthaben für ein Ziel wie Vancouver gerade so ausreicht.
Status-Meilen und Prämien-Meilen sind bei uns ohnehin zwei getrennte Töpfe, und für den Sommerurlaub zählt nur der zweite, der zum Fliegen eingelöst werden kann.
Fehlen am Ende ein paar Tausend Meilen, lässt sich die Lücke bei Miles & More auch zukaufen. Für uns war das bisher nie nötig, aber ich behalte die Option im Kopf, falls ein Ziel knapp verpasst wird.
Dass Meilen irgendwann verfallen können, wenn sich lange nichts auf dem Konto tut, behalte ich inzwischen im Blick, bevor ich für den nächsten Sommer plane – lieber einmal zu früh nachgeschaut als am Ende leer da gestanden.
Das Buchungsfenster öffnet früher, als man denkt
361 Tage vor dem Rückflug – das ist bei Lufthansa in der Regel der Moment, in dem ein neuer Flug zur Buchung freigeschaltet wird. Wer vier Sitze außerhalb der normalen Economy sucht, muss an genau diesem Tag am Rechner sitzen, nicht irgendwann im Frühjahr davor.
Besonders in den Sommerferien, wenn ganze Schuljahrgänge gleichzeitig losfliegen wollen, ist dieses Fenster eng. Die Verfügbarkeit für vier zusammenhängende Plätze in der Prämienklasse schmilzt dort schneller als zu anderen Zeiten im Jahr.
Luzia Mayr, meine Nachbarin eine Etage tiefer, steht vor demselben Problem, weil ihre Kinder in dieselbe Schule gehen wie meine. Wir sprechen inzwischen vorher ab, wer von uns beiden zuerst am Buchungstag online geht, damit wir uns nicht gegenseitig die letzten Plätze wegschnappen.
Sitzplätze für vier Personen nebeneinander muss man bei den meisten Prämientarifen ohnehin separat reservieren, sobald die Buchung steht, sonst verteilt das System die Familie quer durch die Kabine.

Vancouver, Tokio, Mauritius: Drei Ziele im Realitätscheck
Ganz oben auf der Liste steht seit Monaten Vancouver: gute Verfügbarkeit ab Frankfurt oder München, viel Natur für die Kinder und ein Betrag, der sich tatsächlich durchrechnen lässt. Für einen Hin- und Rückflug in der Premium Economy nach Nordamerika stehen bei Miles & More normalerweise 80.000 Meilen für Erwachsene an, durch die Kinderermäßigung von 75 Prozent kommen die beiden Kids auf jeweils 60.000 Meilen – zusammen passt das noch in unser Budget von 280.000 Meilen.
Manche Verbindungen dorthin laufen über einen Zwischenstopp, und ein bewusst gewählter Stopover kann aus einem reinen Hin- und Rückflug noch einen kleinen zweiten Programmpunkt machen, ohne dass dafür zusätzliche Meilen fällig werden.
Tokio bleibt dagegen ein Wunschziel mit Hindernissen: vier Plätze gleichzeitig für eine Familie in den Sommerferien zu finden, ist dort eine andere Hausnummer als bei Vancouver. Wie wir die besten Prämienflüge nach Asien finden habe ich mir deshalb in einem eigenen Kapitel meines Notizbuchs aufgeschrieben, weil die Suche dort einfach anders läuft.
Mauritius wiederum ist das, was man bei uns ein Meilenschnäppchen nennt, sobald man über eine Partner-Airline bucht statt über Lufthansa selbst. Nur ziehen dort oft höhere Steuern und Gebühren wieder einen Teil des Vorteils ab.
Ob sich Meilen eher für einen Flug oder für etwas aus dem Warenkatalog lohnen, haben wir für uns schon lange zugunsten der Flüge entschieden. Der Gegenwert beim Fliegen war in unserem Fall jedes Mal deutlich höher.
Was ich vor jeder Buchung noch abhake
Steuern und Gebühren schwanken brutal zwischen den Airlines – bei einer Partner-Airline kann das schnell 600 Euro pro Person bedeuten, bei uns vieren also 2400 Euro, nur für Gebühren. Die genaue Rechnung dazu gehört für mich in ein anderes Kapitel; hier zählt nur: vorher gegenrechnen, nicht nachher wundern.
Companion-Angebote, bei denen eine zweite Person zum reduzierten Meilenpreis mitfliegt, haben wir bisher nie nutzen können, weil die Bedingungen dafür auf unseren Routen nie gepasst haben.
Ein Upgrade mit Meilen statt eines kompletten Prämienflugs ist eine Option, die ich bei jeder Buchung kurz prüfe, auch wenn wir uns bisher immer für den klassischen Weg entschieden haben.
Über ein Partnerprogramm sind bei uns auch schon ein paar Tausend Punkte ins Meilenkonto gewandert, aber das war nie der große Hebel für unsere Buchungen.
Einmal haben wir uns bewusst für die Kreditkarte mit dem höchsten Jahreszins entschieden, weil sie uns mehr Meilen versprach – ohne wirklich gegenzurechnen, was uns das an anderer Stelle kostet. Seitdem schaue ich mir auch den Versicherungsschutz, der bei solchen Karten oft mit dabei ist, genauer an, bevor ich mich für eine entscheide.
Arndt Feige, ein Kollege meines Mannes, will vor jeder eigenen Buchung am liebsten eine Tabelle mit dem Meilenwert pro Flugkilometer sehen. Die liefere ich ihm bewusst nicht, weil genau diese Rechnerei für unsere Familie nie der Punkt war.
Am Flughafen entscheidet sich, ob der Plan wirklich aufgeht
Stornierung oder Umbuchung ist bei Prämientickets nie ganz unkompliziert. Deshalb schaue ich mir die Bedingungen dafür an, bevor ich die Meilen endgültig abbuchen lasse – lieber vorher wissen, was im Notfall passiert, als es danach herauszufinden.
Auch die Meilengutschrift von Partnern wie Mietwagenfirmen kommt nicht immer automatisch an. Bei einer Buchung mussten wir das einmal händisch nachtragen lassen, bevor die Punkte überhaupt auf dem Konto auftauchten.
Lounge-Zugang mit Kindern ist noch einmal ein eigenes Thema. Über den PriorityPass unserer Kreditkarte kommen wir in die Lufthansa Lounge B1, was vor einem langen Flug mit zwei Kindern einfach angenehmer ist als zwei Stunden am Gate zu stehen.

Selbst auf einem Prämienflug gelten ganz normale Fluggastrechte, falls ein Flug ausfällt oder sich stark verspätet. Das wird gern vergessen, nur weil man mit Meilen und nicht mit Bargeld gezahlt hat.
Von unserem FRA-SFO-Flug LH 454 im Sommer 2024, Sitz 32H, Premium Economy, 280.000 Meilen plus rund 1500 Euro Steuern für alle vier zusammen, habe ich damals ein Foto der vier Bordkarten an eine Kollegin geschickt. Die Antwort kam fast sofort: Das hast du wirklich hingekriegt? In meinem Bordkarten-Tagebuch steht dieser Moment immer noch als Beweis, dass die ganze Rechnerei am Ende wirklich für etwas Reales gut war.
Am Boden entscheidet sich trotzdem noch einiges, bevor man überhaupt am Gate steht. Den Parkplatz am Flughafen haben wir letztes Mal zu spät gesucht, und seitdem werde ich eher das Parken am Flughafen München mit Meilen bezahlen, einfach damit am Abflugtag selbst eine Sorge weniger bleibt.
Ein Ziel, das wirklich funktioniert, ist am Ende immer die Kombination aus allen diesen Punkten, nicht der schönste Name auf der Landkarte. Wer selbst mit Schulkindern plant, findet in den Tipps für Flugreisen mit Schulkindern noch ein paar zusätzliche Details zur Flugzeitenwahl, die bei uns inzwischen fest zur Checkliste gehören.