
Zwei Plätze im Prämienflug zu finden, ist für uns inzwischen fast immer eine Sache von Minuten. Vier Plätze gleichzeitig – für eine ganze Familie mit zwei Kindern – können sich dagegen über Wochen hinziehen, und genau an diesem Unterschied verzweifeln gerade sehr viele Familien, die beim Meilen sammeln auf Miles & More setzen.
Am Isar-Ufer beim Flaucher, während unsere beiden Kinder am Kiesstrand nach flachen Steinen suchen, scrolle ich zum wiederholten Mal durch die App. Vor drei Monaten habe ich versucht, vier Economy-Sitze nebeneinander für die Herbstferien zu buchen – zu diesem Zeitpunkt war der Flug für uns vier schon ausgebucht, obwohl für zwei Personen noch Plätze frei waren. Genau diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, die Suche anders anzugehen, und daraus ist mittlerweile eine Art Fragenkatalog geworden, den ich mir selbst immer wieder stelle.
Das Vier-Personen-Problem bei Miles & More
Die ehrliche Antwort: Viele Airlines geben online schlicht keine Verfügbarkeit für mehr als zwei, manchmal maximal vier Prämiensitze in einer einzigen Transaktion frei – selbst wenn der Flug noch halb leer aussieht. Das System prüft nicht, ob vier Plätze irgendwo im Flieger frei sind, sondern ob vier Plätze im selben Buchungscode gleichzeitig verfügbar sind. Wie der eigentliche Buchungsprozess danach im Detail abläuft, von der Sitzauswahl bis zur Ticketausstellung, ist ein eigenes Kapitel, das ich an anderer Stelle anhand unseres Fluges nach San Francisco aufgeschrieben habe.

Der nützlichste Reflex, den ich mir inzwischen angewöhnt habe: Wenn die App bei vier Personen Nein sagt, suche ich sofort nach zwei. Zeigt sie dort etwas an, weiß ich, dass die Blockade an der Vierer-Grenze liegt und nicht am Flug selbst – und dann lohnt sich das Weitersuchen überhaupt erst.
Das 361-Tage-Fenster und die Prämienflug-Verfügbarkeit für Familien
Miles & More schaltet Prämiensitze exakt 361 Tage im Voraus frei. Wer für die großen Ferienblöcke sucht, sitzt damit faktisch schon im Vorjahr am Rechner, während alle anderen noch an die nächsten Herbstferien denken.
Wie eng es konkret um die Schulferien herum wird, ist für sich schon einen ganzen Artikel wert, genauso wie die Frage, ob es außerhalb der Stoßzeiten echte Meilenschnäppchen gibt – hier reicht der Hinweis, dass der erste Tag des Fensters der wichtigste Termin im Kalender ist, nicht der Buchungstag selbst.
Meilen zusammenlegen und Punkte übertragen
Kurz gefragt, noch kürzer beantwortet: Pooling löst ein Guthaben-Problem, kein Verfügbarkeits-Problem. Wenn vier Sitze im System einfach nicht existieren, hilft es nichts, mehr Meilen auf dem Familienkonto zu haben. Das Gleiche gilt für Punkte, die man aus Programmen wie Amex oder Payback in den Meilenpool überträgt – praktisch, wenn das Guthaben knapp ist, aber kein Mittel gegen eine leere Trefferliste.
Reinhild Berger, meine alte Studienfreundin, die inzwischen in Hamburg lebt, plant ihren ersten eigenen Meilenflug jetzt schon seit zwei Jahren – am Telefon kommt das Gespräch meistens genau an diesem Punkt ins Stocken: Sie wartet, bis „genug" Meilen und Punkte zusammen sind, bevor sie überhaupt zu suchen anfängt. Dabei wäre die Suche selbst der ehrlichere erste Schritt.
Die Kinderflugprämie spart Meilen, nicht Steuern
Für Kinder zwischen 2 und 11 Jahren gibt es bei Lufthansa einen Rabatt von 25 Prozent auf den Meilenpreis. Das hat uns bei unserer Buchung nach San Francisco sehr geholfen. Nur: Die Steuern und Gebühren fallen trotzdem in voller Höhe an, pro Sitz, unabhängig vom Alter. Bei uns kamen damals für vier Tickets in der Premium Economy rund 1500 Euro obendrauf – das ist keine Kleinigkeit, und wer nur die Meilenseite rechnet, erlebt beim Checkout eine böse Überraschung.
Mein Forum-Bekannter Winold Krauss weist mich bei praktisch jeder Gelegenheit darauf hin, dass genau diese Gebührenlast bei Miles & More viel zu hoch sei. Wie man diese Rechnung im Detail für die eigene Reise aufstellt, spare ich mir hier bewusst – das ist sein Lieblingsthema und gehört in einen eigenen Artikel.
Upgrades mit Meilen und der Statusweg
Nein, nicht direkt. Ein Upgrade mit Meilen braucht genauso freie Kontingente wie ein normaler Prämiensitz, und Statusmeilen ändern nichts an der Zahl der Plätze, die eine Airline für eine Klasse freigibt – sie verschieben höchstens die Reihenfolge, wer zuerst gefragt wird. Das war auch der Punkt, an dem ich anfing, über Luxury Travel Hacking für Familien nachzudenken, weil die reine Meilenrechnung bei vier Personen oft nicht ausreicht.
Getrennt buchen, gemeinsam ankommen
Der Trick, der bei uns am Ende funktioniert hat: zwei Plätze auf dem Vormittagsflug, zwei auf dem Nachmittagsflug – oder über einen anderen Abflughafen als sonst. Mein Mann nimmt ein Kind, ich das andere, und wir treffen uns am Zielflughafen wieder. Es klingt im ersten Moment falsch für eine Familie, die zusammenbleiben will, aber es öffnet Türen, die bei der starren Suche nach vier identischen Sitzen fest verschlossen bleiben.
Manchmal lohnt sich sogar ein Umweg über einen Stopover oder eine offene Rückreiseroute statt der direkten Strecke. Dazu gehört noch mehr, als hier Platz hat, denn das Thema trägt für sich allein schon einen eigenen Eintrag. Sitzplätze innerhalb der Familie danach überhaupt nebeneinander zu bekommen, ist dann übrigens noch eine zweite Verhandlung, die erst nach der Buchung beginnt. Einen ähnlichen Kniff habe ich zuletzt notiert, als ich versuchte, Prämienflüge nach New York mit Kindern zu buchen: den Zubringerflug getrennt betrachten, notfalls einen Tag früher anreisen und im Hotel übernachten, um den überfüllten Langstreckenflug am nächsten Morgen doch noch zu viert zu bekommen.
Partner-Airlines, Companion-Tickets und zugekaufte Meilen
Alle drei sind echte Hebel, aber keiner davon ist meine erste Wahl. Die Suche über Partner-Airlines im Star-Alliance-Verbund vergrößert den Pool an Flugzeugen, in denen vier Plätze überhaupt möglich sind – ein Thema, das eine eigene, genauere Betrachtung verdient. Ein Companion-Ticket kann helfen, wenn nur eine Person mit Meilen bezahlt und die zweite mitfliegt, löst aber nicht automatisch das Vierer-Problem. Und fehlende Meilen zuzukaufen, um über eine Schwelle zu kommen, funktioniert nur, wenn die Sitze überhaupt da sind – sonst kauft man sich nur ein teureres Nein.
Verfallende Meilen sind das größere Risiko als ausverkaufte Flüge
Die Angst, dass Meilen verfallen, treibt viele Familien zu überstürzten Buchungen, lieber irgendein Ticket als gar keins, bevor das Guthaben verfällt. Aus meiner Sicht ist das der falsche Druck. Ein ruhiger Blick auf das tatsächliche Verfallsdatum schafft oft mehr Zeit zum Suchen, als man zuerst denkt, und verhindert, dass man aus Panik vier schlechte Sitze bucht, nur um das Konto zu retten.
Umplanen nach der Buchung bedeutet nicht automatisch Verlust
Stornieren oder umbuchen ist bei Prämientickets selten kostenlos, aber auch selten so teuer, wie viele befürchten. Die genauen Bedingungen dafür sind noch mal ein eigenes Thema für sich. Bei Verspätung oder Ausfall gelten außerdem Fluggastrechte, die unabhängig davon greifen, ob der Sitz mit Geld oder mit Meilen bezahlt wurde, was viele Familien nicht wissen. Und wenn ein Mietwagen oder Hotel über einen Partner gebucht war, der Meilen gutschreiben sollte, lohnt es sich, die Gutschrift separat zu notieren und nachzuverfolgen – solche Gutschriften gehen in der Praxis leichter unter, als man zunächst denkt.
Vom ersten Sign-Up-Bonus bis zur Suche am Flaucher
Seit vier Jahren sammle ich jetzt Meilen, seit etwa der Hälfte davon mit einem richtigen Plan dahinter statt mit bloßem Zufall. Der Sign-Up-Bonus der Kreditkarte war am Anfang nur eine nette Zahl auf dem Konto, ohne dass ich wusste, was ich damit anfangen sollte. Heute ist er der erste Baustein in jeder neuen Familienreise. Ob sich Meilen am Ende mehr lohnen als ein Gutschein im Worldshop, ist eine ganz andere Rechnung, die ich bewusst nicht hier aufmache, und auch der Versicherungsschutz, der bei manchen Kreditkarten mit dranhängt, verdient einen eigenen, ruhigeren Blick.
Der erste Espresso in der Lufthansa Lounge B1 hat sich damals angefühlt wie ein kleiner Luxus, der uns eigentlich nicht zustand; inzwischen gehört dieser Kaffee vor dem Flug für uns so selbstverständlich zum Familienurlaub wie das Einchecken der Koffer. Was sich an Lounge-Zugang mit Kindern ändert, sobald man zu viert statt zu zweit unterwegs ist, erzähle ich lieber in einem eigenen Eintrag als hier in der Kürze.
Vier Plätze auf einen Schlag zu finden, bleibt die Ausnahme, nicht die Regel. Wer das akzeptiert und seine Suche entsprechend flexibel aufbaut – zwei statt vier, getrennt statt gemeinsam, früh statt spät –, kommt am Ende trotzdem zusammen an. Genau das ist für uns inzwischen die eigentliche Reiseplanung mit Kindern: nicht der perfekte Flug, sondern der nüchtern gerechnete Umweg dorthin.