
Der Kassenbon von der Aral-Tankstelle klebt inzwischen direkt neben einer Bordkarte in meinem Notizbuch. Zwei Papierschnipsel, ein Konto – seit vier Jahren gehört Meilen sammeln bei uns zum Familienalltag, und kleine Payback-Tipps an der Zapfsäule sind mittlerweile fast so wichtig wie die große Flugbuchung selbst. Was nach einem müden Alltags-Hack klingt, wird über Monate zu einem echten Baustein unseres Familien-Reisebudgets.
Angefangen hat das alles im Sommer 2024, als wir zum ersten Mal 280.000 Meilen für vier Plätze auf LH 454 von Frankfurt nach San Francisco eingelöst haben – Premium Economy, Sitzreihe 32 auf der A340-600, dazu etwa 1.500 Euro Steuern und Gebühren, mit denen wir vorher kaum gerechnet hatten. Seitdem ist mir klar: Ohne die kleinen Schritte im Alltag kommt so eine Einlösung nicht wieder zustande.
Warum wir nur noch bei einer Marke tanken
In Deutschland ist Aral der exklusive Tankstellenpartner von Payback, und genau diese Kombination macht die Zapfsäule für uns interessant. Die Grundrate klingt zunächst mickrig: ein Punkt pro zwei Liter Kraftstoff. Unser Familien-Kombi schluckt im Schnitt sechzig Liter, macht also dreißig Punkte. Dreißig Meilen bringen dich ehrlicherweise nirgendwohin. Der eigentliche Unterschied entsteht erst durch das, was danach passiert.

Der Coupon-Klick und die Kreditkarte im Doppelpack
Kurz vor den Weihnachtsferien hatte ich einen zehnfach-Coupon in der App aktiviert. Aus den mickrigen dreißig Punkten wurden plötzlich dreihundert. Elvira aus dem Nachbarbüro fragt mich seitdem regelmäßig, wie hoch mein Kontostand gerade steht, obwohl sie selbst nie eine Payback-Karte rausholt – für sie ist das eher ein Kuriosum als ein System, das sie selbst mitmachen will.
Noch mehr bringt die Kombination mit der Kreditkarte. Ich zahle an der Aral-Säule mit der Miles & More Kreditkarte, die zusätzlich eine Meile pro zwei Euro Umsatz gibt. Bei sechzig Litern und einem Spritpreis von etwa 1,80 Euro zahle ich hundertacht Euro. Das macht noch einmal vierundfünfzig Meilen obendrauf. Über dreihundertfünfzig Meilen also, nur für eine Tankfüllung, die ohnehin fällig gewesen wäre. Wer wissen will, wie sich das mit dem restlichen Wocheneinkauf kombinieren lässt, findet hier, wie Payback Punkte in Meilen umwandeln beim Familieneinkauf funktioniert.
Zuhause in unserer Altbauwohnung in Schwabing-West lande ich mit jeder Quittung am selben Fleck: dem alten Holzfensterbrett neben meinem Laptop, wo mittlerweile drei vollgeschriebene Notizbücher liegen, eines pro große Reise. Über dem Monitor hängt ein Korkbrett mit Kopien von Bordkarten und ein paar Zetteln. Das Licht dort kommt nachmittags nie direkt, nur gedämpft über den ruhigen Hinterhof. Genau dort habe ich vor einiger Zeit die Bordkarte von unserem SFO-Flug eingeklebt und daneben notiert, dass wir sie mit unseren eigenen Meilen bezahlt hatten: kein Bonus, kein Geschenk, nur monatelang gesammelte Punkte, die plötzlich zu vier Sitzplätzen wurden.
Lohnt sich teurerer Sprit für mehr Punkte?
Nicht automatisch, wie ich lernen musste. Ab und zu gibt es Aktionen, bei denen Premium-Kraftstoffe wie Ultimate 102 deutlich mehr Punkte bringen. Der Aufschlag an der Säule liegt dann aber oft bei knapp zwanzig Cent pro Liter. Bei sechzig Litern sind das zwölf Euro mehr, nur für ein paar zusätzliche Punkte, die diesen Unterschied nicht wettmachen. Einmal im Frühling habe ich es trotzdem ausprobiert, weil ich unbedingt einen Punkte-Schub wollte. Seitdem tanken wir wieder ganz normal Diesel oder E10 und holen uns die Extra-Meilen lieber über Coupons und Kreditkartenumsatz.
Andere Wege ins Punktekonto nutzen wir auch. Über die American Express Gold Card Vorteile für Familien sammeln wir an ganz anderen Stellen im Alltag – im Supermarkt, beim Onlineshopping – und schieben das später über Payback weiter zu Miles & More. Ein zweites, kleineres Rinnsal neben der Tankstelle, aber eines, das nebenher läuft, ohne dass wir extra danach suchen müssen.

Ich habe monatelang Bonusmeilen-Mails ungelesen gelöscht
Reibungslos lief das nicht immer.
Monatelang habe ich jede E-Mail von Miles & More ungelesen gelöscht, weil ich sie für Werbe-Spam hielt; dabei liefen darüber immer wieder zeitlich begrenzte Bonusaktionen mit zusätzlichen Punkten auf Tankumsätze. Wie viele Aktionen ich dadurch verpasst habe, kann ich nicht mehr genau sagen. Erst als Elvira im Büro einmal beiläufig erwähnte, dass sie über eine E-Mail-Aktion zusätzliche Meilen bekommen hatte, habe ich angefangen, diese Nachrichten wenigstens kurz zu überfliegen, bevor der Finger zum Löschen-Symbol wandert.
Vier Wochen, nachdem ich angefangen hatte, jeden Coupon-Klick und jede Kreditkartenabrechnung im Notizbuch mitzuschreiben, stand zum ersten Mal eine spürbar höhere Zahl auf dem monatlichen Kontoauszug, als ich erwartet hätte. Kein plötzlicher Geistesblitz, eher das Ergebnis von stumpfem Mitschreiben über einen ganzen Monat. Eine Leserin, Cordula Wenk, hat mir vor einer Weile geschrieben, dass sie schon fast zehn Jahre Miles & More Meilen sammelt und noch nie eingelöst hat – das Konto liegt einfach da, ungenutzt. Genau das will ich vermeiden. Bevor wir sonntags in den Westpark joggen gehen, tippe ich morgens oft noch schnell den aktuellen Stand in die App – nicht aus Zwang, eher aus Neugier, wie viel sich in einer Woche wirklich bewegt.
Alltags-Hacking ohne Tabellenkalkulation
Als wir vor ein paar Wochen in San Francisco gelandet sind, hat mein Handy in der Tasche kurz sanft vibriert – die Miles & More App, die die Gutschrift für den Flug meldete. Ein kleiner Moment, aber genau der, für den die ganzen Tankstellenbesuche eigentlich da sind. Es ist kein Alltags-Hacking mit dubiosen Tricks, es ist einfach Aufmerksamkeit an Orten, an denen ich früher gar nicht hingeschaut habe. Der Teil, der bei mir hängen geblieben ist: Nicht die einzelne Tankfüllung macht den Unterschied, sondern dass man drangeblieben ist, auch wenn neun von zehn Wochen nach nichts aussehen. Ich klebe die nächste Quittung schon bereit neben die freie Seite in meinem Notizbuch.