
Die Stoffserviette auf dem Premium-Economy-Tablett bleibt bei unseren Kindern fast immer ungeöffnet liegen – während der Beutel mit selbst abgepackten Reis-Crackern aus dem Rucksack nach wenigen Minuten leer ist.
Genau da liegen die meisten Tipps zum Fliegen mit Kindern in der Premium Economy daneben: Sie gehen davon aus, das bessere Catering mache die eigene Snack-Planung überflüssig. Bei uns war das nie so – auch nicht auf dem Flug, für den wir 280.000 Meilen für vier Sitze zwischen Frankfurt und San Francisco eingelöst haben, LH 454, A340-600, dazu rund 1500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf. Mein Notizbuch führt diesen Flug bis heute als größten Meilen-Erfolg der Familie. Trotzdem lag am Ende jeder Etappe eine leere Snack-Box zwischen den Kindersitzen, nicht ein leeres Tablett.
Der Mythos vom vollen Bauch in der Premium Economy
Meine Kollegin Elvira, die mir gelegentlich Lounge-Selfies von Dienstreisen schickt, die mit ihrem eigenen Meilensammeln gar nichts zu tun haben, hat mich neulich gefragt, ob sich der ganze Aufwand mit den Snack-Boxen nicht erübrigt, wenn man sowieso in der besseren Kabinenklasse sitzt. Eine faire Frage. Und trotzdem: nein.
Bei der Buchung damals blinkte auf dem Bildschirm ein Upgrade-Feld auf, mein Mann schaute über meine Schulter und fragte nur, ob sich das mit unseren Meilen überhaupt ausgeht – so sind wir überhaupt erst in der Premium Economy gelandet, nicht durch einen großen Plan. Das bessere Menü, das die Kinder dort bekommen, läuft trotzdem nach dem Zeitplan der Crew, nicht nach dem Hunger meiner Kinder. Auf einem Elf-Stunden-Flug wie unserem über den Nordatlantik liegen zwischen den beiden Hauptmahlzeiten locker sieben, acht Stunden oder mehr, wenn die Crew wegen Turbulenzen oder eines Zwischenfalls den Service unterbricht.
Was in der Premium Economy am meisten hilft, ist nicht das Essen selbst, sondern der Platz drumherum: Bei einem Sitzabstand von etwa 90 bis 95 Zentimetern ist die Sitztasche tief genug, dass eine ganze Bento-Box hineinpasst, ohne den Kindern die Beine wegzunehmen. Auf dem Rückflug, Sitz 33C, hatte meine Tochter ihre Box schon ausgepackt, bevor überhaupt das Anschnallzeichen ausging.

Warum schmeckt in zehntausend Metern plötzlich alles fader?
Kabinenluft dämpft den Geschmackssinn, das habe ich oft genug beobachtet, um es nicht mehr anzuzweifeln: Obst, das zu Hause süß schmeckt, wird in der Luft zu etwas, das die Kinder nach zwei Bissen liegen lassen. Wer glaubt, mit ein bisschen geschnittenem Apfel und Gurkenstiften sei die Sache erledigt, wird über dem Atlantik eines Besseren belehrt.
Deshalb packe ich gezielt ein, zwei Dinge mit intensivem, vertrautem Geschmack ein – ein Stück gute Schokolade, ein paar saure Gummibärchen. Nicht als Belohnung, sondern als Weckruf für den Appetit, kurz bevor der eigentliche Service kommt. Reines Gesundheitsdenken funktioniert an Bord schlechter als zu Hause, so einfach ist das.
Leise, robust, vertraut: Was am Ende im Rucksack landet
Bevor ein Snack überhaupt in die Box darf, stelle ich mir zwei Fragen: Macht die Verpackung beim Öffnen Krach, der drei Reihen weiter zu hören ist? Und hält der Inhalt zwei, drei Stunden in einer aufgewärmten Sitztasche durch, ohne zu schmelzen oder zu Krümeln zu zerfallen? Nur wenn beide Antworten gut ausfallen, kommt etwas mit an Bord.
Japanische Reis-Cracker erfüllen beide Kriterien mühelos, kleine Käsewürfel fast immer, außer bei sehr warmem Wetter am Boden. Nüsse und Brezeln liefern die trockene, unauffällige Grundversorgung zwischen den lauteren, klebrigeren Extras. Wer wie ich Zu spät angefangen mit Travel Hacking? Mein Weg zum ersten Meilenflug 2024 erst spät mit dem Meilensammeln begonnen hat, lernt solche Details meistens nicht aus einem Ratgeber, sondern aus dem eigenen, mehrfach korrigierten Notizbuch.
Was darf eigentlich mit ins Handgepäck?
Nicht alles, was gut schmeckt, darf mit durch die Kontrolle. Am Sicherheitscheck in Frankfurt hatte ich einmal ein Glas selbst gemachtes Fruchtmus für die Kinder eingepackt – vergessen, dass alles Streichfähige oder Cremige unter die 100-Milliliter-Regel fällt. Der Sicherheitsbeamte war freundlich, aber es half nichts. Zwei enttäuschte Gesichter, ein Glas im Müll.
Seitdem gilt bei uns: nur feste Snacks vor der Kontrolle, alles Cremige erst danach kaufen. Bei der Einreise in die USA, unserem bisher liebsten Meilen-Ziel, kommt noch eine zweite Regel dazu – frisches Obst und Gemüse darf das Flugzeug meistens nicht verlassen. Im Flieger aufessen oder vorher zu Hause lassen, eine dritte Option gibt es praktisch nicht.

Die eine Regel, die ich für den nächsten Flug behalte
Jahrelang haben wir Payback-Punkte nur für Benzin und Einkäufe eingelöst, nie für einen Flug – das Prinzip, kleine gesammelte Dinge für etwas Großes aufzuheben, ist uns erst spät klargeworden. Bei den Snacks ist es fast umgekehrt: Es geht um viele kleine Dinge, gesammelt für die vielen kleinen Momente zwischen den großen Mahlzeiten.
Snacks sind für uns kein Zusatzprogramm zum Bordservice, sie sind der Puffer für die Stunden dazwischen. Das gilt in der Premium Economy genauso wie hinten in der Economy, nur dass die Sitztasche dort vorne tief genug ist, um mehr davon unterzubringen. Das Etikett eines japanischen Reis-Crackers klebt bis heute in meinem Bordkarten im Notizbuch sammeln: Wie ich unsere Familiengeschichten festhalte – als Erinnerung, dass ein voller Bauch manchmal mehr über einen gelungenen Flug entscheidet als jeder Sitzabstand.
Ein Kind mit Hunger merkt sich die Wartezeit. Eins mit einer eigenen Snack-Box in Reichweite merkt sich den Flug.