
Wie viele Kuscheltiere braucht ein Kind eigentlich wirklich, bevor die ganze Beinfreiheit der Premium Economy sinnlos wird? Eine endgültige Antwort habe ich bis heute nicht, aber ich sitze schon wieder auf dem Boden im Kinderzimmer, umgeben von drei halb gepackten Rucksäcken und meinem Notizbuch, und versuche es trotzdem herauszufinden. Draußen regnet es gegen die Scheiben, drinnen liegt überall Handgepäck für unsere nächste Familienreise verteilt, und ich merke wieder: Je mehr Meilen ich sammle, desto genauer schreibe ich mir auf, welche kleinen Packentscheidungen den Unterschied zwischen elf erträglichen Stunden und einer Katastrophe über den Wolken machen.
Im Sommer 2024 habe ich das Einlösungsformular für unseren ersten großen Meilenflug abgeschickt und dabei zugesehen, wie die Zahl auf unserem Meilenkonto innerhalb weniger Sekunden auf fast null fiel – 280.000 Meilen weg, dafür vier Plätze in der Premium Economy von Frankfurt nach San Francisco, LH 454, mein eigener Platz auf 32H, dazu etwa 1500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf. Seitdem sammle ich nicht nur Bordkarten in meinem Notizbuch, sondern auch jeden Kniff, der die Stunden mit zwei Kindern an Bord erträglicher macht. Der wichtigste Kniff fängt lange vor dem Gate an, nämlich beim Packen.
Bevor überhaupt Meilen ins Spiel kamen, hatte ich einen anderen Versuch hinter mir: Ich wollte einen kompletten Familienurlaub über die Punkte einer großen Hotelkette finanzieren, und der Einlösewert war so mickrig, dass sich die ganze Rechnerei am Ende nicht gelohnt hat. Bei Meilen ist das anders, aber das ist eine andere Geschichte für ein anderes Mal. Hier soll es ums Packen gehen, denn die schönste Premium-Economy-Bordkarte bringt nichts, wenn der Rucksack am Gate schon aus allen Nähten platzt.
So viel Handgepäck verträgt ein Kinderrücken
Als UX-Designerin liebe ich Guidelines, und bei der Lufthansa sind die ziemlich eindeutig. Jedes Kind mit eigenem Sitz darf ein Gepäckstück mit den Maßen 55 x 40 x 23 Zentimeter mitnehmen, das Maximalgewicht liegt bei 8 Kilogramm. Klingt großzügig, ist aber schneller erreicht, als man Priority Boarding sagen kann. Dazu kommt ein kleiner persönlicher Gegenstand mit 40 x 30 x 10 Zentimeter, bei uns meistens der Schulrucksack oder eine kleine Tasche, die unter den Vordersitz passt.

Meine wichtigste Erkenntnis aus den letzten Jahren: das Handgepäck nicht mit Spielzeug überladen. Früher habe ich den Kindern die Freiheit gelassen, ihre Rucksäcke komplett selbst zu füllen. Ergebnis: zehn Kuscheltiere, jede Menge Lego und kein Platz mehr für die Kopfhörer. In der Premium Economy hat man zwar mehr Raum zwischen den Sitzen, aber sobald der Fußraum mit Plastikspielzeug übersät ist, ist die zusätzliche Beinfreiheit dahin. Gezielte Reduktion ist inzwischen mein Ziel, denn wenn die Kinder ihre Beine ausstrecken können, ohne auf einen harten Rucksack zu treten, ist der Flug schon halb gewonnen.
Mein kurzes Ritual vor dem Start
Bevor wir uns überhaupt setzen, gibt es diesen einen Moment, den ich intern den Sanity-Wipe nenne. Während die Kinder ihre Plätze sortieren, ziehe ich ein Feuchttuch aus der Tasche und wische Tabletts, Armlehnen und die Fernbedienung in der Lehne ab. Kurz, fast mechanisch, aber ein guter Moment, bevor das eigentliche Chaos losgeht. Der Sitz mag breiter sein als in der normalen Economy, die Krümel vom Vorgänger sind trotzdem die gleichen.
In der Premium Economy liegt oft ein kleines Amenity Kit bereit, aber das ist fast immer auf Erwachsene zugeschnitten und für Kinder selten brauchbar. Deshalb packe ich für meine Acht- und Zehnjährige ein eigenes kleines Set in den persönlichen Gegenstand: ein paar Feuchttücher, einen Lippenpflegestift, weil die Luft da oben trocken ist, und ein paar bunte Pflaster. Man weiß ja nie, wann ein Papierschnitt vom neuen Comic zur kleinen Katastrophe wird.
Analoge Beschäftigung hält länger als jeder Bildschirm
Das Inflight-Entertainment in der Premium Economy ist ordentlich, die Bildschirme sind größer als hinten in der Holzklasse. Nach der fünften Folge vom immer gleichen Kinderprogramm kippt die Stimmung trotzdem zuverlässig. Kopfhörer sind bei uns Pflicht, vor allem solche, die den Schall auf 85 Dezibel begrenzen, damit die Ohren geschont werden. Nichts ist anstrengender als ein Kind, das gegen das Triebwerksgeräusch anbrüllt, weil es den Film nicht versteht.
Die analogen Sachen sind trotzdem das Wichtigste.
Ein neues Comic-Heft oder ein dickes Rätselheft schlägt nach der dritten Flugstunde jeden Bildschirm. In der Premium Economy malen die Kinder auffällig lieber, weil der Klapptisch stabiler ist als weiter hinten im Flugzeug. Für jedes Kind packe ich ein kleines Set guter Buntstifte ein, keine Filzstifte, die laufen bei Druckunterschieden manchmal aus, das habe ich auf die harte Tour gelernt. Wer im Alltag schon Meilen sammelt, für den lohnt es sich, auch Meilen mit GetYourGuide zu sammeln und vor dem Abflug gleich die Ausflugsbestätigungen für das Reiseziel auszudrucken. Die Kinder blättern dann während des Fluges durch die Bilder und planen schon den ersten Tag vor Ort.

Schlafkomfort in der Premium Economy
Die Rückenlehne lässt sich in der Premium Economy ein ganzes Stück weiter nach hinten neigen als in der normalen Economy, das ist Segen und Fluch zugleich. Segen, weil echter Schlaf möglich wird. Fluch, weil das Kind zwei Reihen weiter genau in diesem Moment versucht, sein Tablet in die viel zu kleine Sitztasche zu quetschen. In die Gepäckstücke packe ich immer ein eigenes, weiches Reisekissen und eine dünne Decke von zu Hause, die Airline-Decken sind in Ordnung, riechen aber nicht nach daheim. Für meine Zehnjährige ist genau das der Anker, um wirklich zur Ruhe zu kommen.
Ein Paar dicke Kuschelsocken gehört für mich mittlerweile genauso zur Packliste wie das Reisekissen. Sobald wir Reiseflughöhe erreicht haben, wandern die Schuhe unter die Fußstütze, die Füße bleiben frei, aber warm. Ich erinnere mich noch daran, wie ich am Gate in Frankfurt meine eigene Bordkarte aus der Jackentasche gezogen habe, das Papier war schon ganz weich vom vielen Zusammenfalten und knisterte trotzdem laut genug, dass meine Tochter kurz aufgeschaut hat. Solche kleinen Momente sammle ich mittlerweile fast genauso eifrig wie die Meilen selbst.
Den Rucksack unter dem Sitz richtig packen
Damit beim Start nicht im Overhead-Bin gewühlt werden muss, kommt bei uns Folgendes in den kleinen Rucksack unter dem Sitz: Kopfhörer mit Klinken-Adapter fürs Flugzeug, ein leeres Notizheft mit zwei guten Stiften, ein Kartenspiel, meistens Uno, die wichtigsten Medikamente wie Nasenspray und Pflaster, ein Snack, der nicht schmiert, also Nüsse oder Riegel, und eine leere Trinkflasche, die nach der Sicherheitskontrolle aufgefüllt wird.
Früher habe ich aus Angst vor Langeweile viel zu viel eingepackt. Inzwischen weiß ich, dass ein bisschen Langeweile dazugehört, sie ist die Vorfreude auf das Ziel. Und wer im Alltag ohnehin schon Meilen mit Kreditkartenumsätzen sammelt, will diesen Moment im Flugzeug lieber genießen, statt endlos Spielzeug zu sortieren. Das Sammeln selbst fühlt sich für uns an wie ein langes Sparprojekt, ungefähr so, wie man monatelang auf ein besonders großes Geburtstagsgeschenk hinspart. Wenn man dann endlich in den breiteren Sitzen sitzt, will man die Freiheit spüren und nicht den Ballast.
Für diese letzte Reise habe ich sieben Wochen vor dem Abflug angefangen, testweise zu packen und wieder auszupacken, bis die Liste in meinem Notizbuch endlich stand. Die Bordkarten von damals kleben inzwischen zwischen den Packlisten, und wenn ich sie heute durchblättere, sehe ich nicht nur die Route FRA-SFO oder die 280.000 Meilen. Ich sehe vor allem, was wirklich zählt: nicht das perfekte Handgepäck, sondern ein Rucksack, der niemanden am Boden hält, wenn es endlich losgeht. Genau das ist die eine Regel, die ich aus jedem gepackten Rucksack mitnehme – kontrollieren, was reinkommt, nicht, was während des Fluges passiert.